Hartwig Albers: Optimist in Krisenzeiten
Der Insolvenzverwalter sieht sich nicht für die Abwicklung, sondern auch für die Rettung von Unternehmen verantwortlich.
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Hartwig Albers, RA Berlin Foto: Thilo Rückeis |
Hartwig Albers ist Insolvenzverwalter. Er leitet die Berliner Niederlassung der Kanzlei Brinkmann und Partner. Die Gesellschaft ist mit rund 100 Rechtsanwälten, Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern in 24 Niederlassungen einer der Big Player und mit über 20 Verwaltern eine der größten deutschen Insolvenzverwalterkanzleien.
Wenn sich ein Mandant bei Hartwig Albers an den Tisch setzt oder er selbst in eine Firma geht, dann sei das meist „emotional aufgeladen, weil einer sich eingestehen muss, dass es vorbei ist“. Dabei ist, wenn Albers kommt, noch lange nicht alles vorbei. Denn der Insolvenzverwalter ist nicht nur für die Abwicklung, sondern vor allem auch für die Rettung von Unternehmen verantwortlich.
„In vielen Fällen gibt es einen Teil, der übrigbleibt“, erzählt Albers. Je kleiner ein Unternehmen sei, desto häufiger würden die alten Eigentümer die Firma später aus der Insolvenzmasse zurückkaufen. „Das wird oft mit Staunen von den Gläubigern zur Kenntnis genommen“, berichtet der Verwalter.
„Aha. Erst die große Pleite und dann holt man sich die Rosinen raus“, sei eine typische Reaktion. „Aber in Wirklichkeit zahlt da jemand für sein Unternehmen noch einmal“, sagt Albers. Das erste Treffen zwischen dem Insolvenzverwalter und den Unternehmern sei oft gar nicht so schwierig, wie viele denken. Die Insolvenz käme schließlich selten überraschend. Oft hätten die Inhaber schon lange vorher gewusst, dass ihre Lage schlecht ist, auch wenn sie das nicht wahrhaben wollten.„Als Insolvenzverwalter muss man Optimismus verbreiten“, sagt Albers.
Dass er das kann, glaubt man ihm sofort. Der 51-Jährige hat nichts vom strengen, langweiligem Verwalter in einem staubigem Büro. Der Mann mit den lockigen Haaren und der großen Brille hat Entertainerqualitäten, wenn er von den illustren Fällen seiner 1300 Verfahren seit 1995 erzählt.
Albers war zum Beispiel Konkursverwalter bei Sportgate, jenem Internetportal, das Boris Becker mitgegründet hatte und dessen Gesellschafter er früher war. Der ehemalige Tennisstar war der große Streitpunkt bei der Insolvenz. Es ging um eine Zusage von Becker an den früheren Pixelpark-Chef und Mitgesellschafter Paulus Neef über 1,5 Millionen Euro. Albers forderte diese Summe von Becker, doch die erste Klage scheiterte. Am Ende musste Becker dennoch 108 000 Euro zahlen.
Albers hat aber auch erlebt, dass es nicht nur um viel Geld gehen kann. Es geht auch brisanter: Mit dem Fürstentum Sealand geriet er gar in einen ernsthaften Konflikt. Sealand, eine ausrangierte Bohrinsel im Ärmelkanal, war von dem britischen Ex-Major Paddy Roy Bates 1967 besetzt worden. Seit Jahren halten Prinz Roy of Sealand und seine Nachkommen häufiger die Klatschblätter als die internationale Politik in Atem. Deutschland als Staat hat der Bohrinselprinz nie so richtig anerkannt. Und daher hat die Sealand Handelsgesellschaft Hartwig Albers auch nicht als legitimen Insolvenzverwalter anerkannt, als der einen Teil des Geländes für den Eigentümer räumen lassen wollte. Stattdessen bekam er ein Todesurteil aus Sealand. Kurzzeitig war er sich nicht sicher, „ob die nur Spinner oder vielleicht doch gefährlich sind“. Heute empfinde er den Fall eher als Beleuchtung des eigenen Kosmos.
Die meisten Verfahren seien dagegen aber unspektakulär. In Berlin sei die große Welle der Insolvenzen ohnehin vorbei. „Es gab ein spezielles Berliner Phänomen“, erklärt Albers. Nach der Wende habe es viele Unternehmer in die Region gezogen mit der Hoffnung auf den großen Aufschwung. Dann seien die Unternehmen wie Kartenhäuser zusammengeklappt.
Das sei jetzt vorbei. Der Markt ist seit vier Jahren bereinigt, glaubt Albers. „Was jetzt passiert, sind, grob gesagt, Eintagsfliegen, die zum Wirtschaftsleben dazugehören.“ Ein Kosmos, sehr klein und exklusiv, der zumindest ihm als Insolvenzverwalter das Überleben sichert. Ingo Wolff
| Zur Person |
Hartwig Albers (51) hat 1990 bei Brinkmann und Partner in Hamburg angefangen. Später hat er eine Niederlassung in Rostock und das Berliner Büro mit aufgebaut.
| Brinkmann&Partner Berlin |
Partner: Hartwig Albers,
Thomas Kühn, Sascha Feies
Adresse: Lützowstraße 100,
10785 Berlin
Mitarbeiter: 45
Telefon: 030 / 311 00 00
Web: www.brinkmann-partner.de
Thomas Kühn, Sascha Feies
Adresse: Lützowstraße 100,
10785 Berlin
Mitarbeiter: 45
Telefon: 030 / 311 00 00
Web: www.brinkmann-partner.de
Aus der Ausgabe 4 / 2008
