Portrait des Monats

Auf Sonne gesetzt

Dagmar Vogt ist Gründerin von ib Vogt, einer führenden Ingenieurfirma für Solarfabriken. Mit Preisen überhäuft wird sie aber vor allem, weil ihr Betrieb so familienfreundlich ist
Dagmar Vogt, 1964 in Ostfriesland geboren, kam vor 20 Jahren nach Berlin. 2002 gründete sie ihre Firma. Vor wenigen Wochen wurde Vogt zur Berlins Unternehmerin des Jahres gekürt. Foto: doris spiekermann-klaas
Preise, Urkunden und Zertifikate. Das ist das erste, was man unweigerlich mit Dagmar Vogt verbinden muss, wenn man ihr Ingenieurbüro in der Charlottenburger Helmholtzstraße zum ersten Mal betritt. „Großer Preis des Mittelstandes“, „Mutmacher der Nation“, „KfW-Unternehmenspreis“ – die Liste der Auszeichnungen, die eingerahmt in den Regalen im Eingangsbereich von ib Vogt stehen, ist lang. Doch wer ist die Frau, die so oft ausgezeichnet wurde, zuletzt als Berliner Unternehmerin des Jahres?

Dagmar Vogt beschreibt sich selber als sehr ehrgeizig. Und auch ein bisschen stolz. Zumindest ist sie das in diesen Tagen. „Als Unternehmerin bekommt man ja selten eine Rückmeldung“, sagt die 44-jährige Blondine. Deshalb sei die jüngste Auszeichnung von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen und der Investitionsbank Berlin „etwas ganz besonderes“ für sie.
„Schließlich wurde mein gesamtes Unternehmen samt Mitarbeitern geehrt.“ Das bedeute für sie, dass sie auf dem richtigen Weg sei.

Den Weg in die Selbstständigkeit wollte Dagmar Vogt allerdings nicht immer gehen. Die gebürtige Ostfriesin kam nach ihrem Studium der Chemietechnik und der Biotechnologie mit Mitte 20 nach Berlin, um zunächst in einem mittelständischen Ingenieurbüro zu arbeiten. Die Aufgaben – die Umsetzung von Umweltschutzauflagen für Kraftwerksbauten – gefielen ihr. „Aber irgendwann war die Decke erreicht“, sagt sie. Eine höhere Position gab es in dem kleinen Unternehmen nicht mehr für sie. Vogt musste sich nach einer neuen Herausforderung umsehen. „Das Problem aber war, dass es kaum einen Job für mich gab, schon allein weil man Frauen zu diesem Zeitpunkt kaum etwas zutraute“, sagt Vogt. „Fest stand für mich aber auch, keinen Sachbearbeiterposten anzunehmen.“ Der einzige Ausweg war schließlich der Gang in die Selbstständigkeit. Zunächst schlug sich Vogt als freiberufliche Ingenieurin durch. „Ich war durch meine vorherige Arbeit gut vernetzt“, erzählt sie. So bekam sie schnell Aufträge, zuerst aus dem Kraftwerks- oder Klärwerksbau, später folgten erste Planungsarbeiten für Solarzellenfabriken.

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Web: www.netfox.de

Diesem Metier ist sie bis heute treu geblieben. „Schon als Jugendliche haben mich Umweltthemen interessiert. Dass ich diese mit meinem Beruf verbinden kann, finde ich großartig.“ Inzwischen ist ib Vogt zu einem der führenden Planungs- und Bauunternehmen für Solarfabriken geworden. Und das weltweit. Das Ingenieurbüro hat mittlerweile Niederlassungen in den USA, Spanien und England. Aus ursprünglich vier Angestellten sind mehr als 170 geworden, 45 Prozent davon sind Frauen, wie Vogt betont.

In ihrem Betrieb sei der soziale Gedanke wichtig, sagt die Chefin. Soll heißen: Eine ausgeklügelte Raumstruktur, viele Pflanzen, aber auch ein buntes Team aus 15 Nationen verliehen dem Unternehmen einen besonderen Charakter, meint Vogt. Dazu tragen sicher auch die flachen Hierarchien im Unternehmen bei. Bei ib Vogt duzen sich alle Mitarbeiter, auch mit der Chefin.

Besonders viel Wert legt Vogt  auf das Thema Familienfreundlichkeit: Kinder können mit an den Arbeitsplatz gebracht werden, Frauen werden auch während einer Schwangerschaft eingestellt. Einer der Hauptgründe, warum die Unternehmerin mit Preisen überhäuft wird. „Mein Weltbild sagt mir, dass Frauen, die Kinder haben, sehr gut organisieren können, dass sie ehrgeizig sind, alles unter einen Hut zu bekommen“, sagt Vogt. Dieses Vertrauen zahle sich überproportional aus. Die Mütter seien entgegen aller Vorurteile seltener krank als andere Mitarbeiter und extrem loyal dem Unternehmen gegenüber.
 
Vogt selbst hat sich mit ihrem Partner gegen Kinder entschieden, zu sehr steckte sie in ihrer Verantwortung als Unternehmerin, als sie sich mit diesem Gedanken beschäftigte. Auch in Zukunft hat sie mit ib Vogt noch viel vor. Langfristig will sie ihr Unternehmen zu einem Allround-Dienstleister für regenerative Ideen in der Stadtentwicklung machen. „Ich möchte ein Beispiel sein, besonders für andere Frauen“, sagt Vogt. „Und zeigen, dass man auch mit ungewöhnlichen Ideen weit kommen kann.“

Yasmin El-Sharif


aus Ausgabe 9/2008 
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