Portrait des Monats

Beim Tourismus gelandet

Burkhard Kieker hat für die Lufthansa gearbeitet und für den Flughafen BBI. Jetzt ist der gelernte Journalist Chef des Tourismus Marketing und lotst Besucher nach Berlin
Foto: Thilo Rückeis

Ob er einen anderen Stil pflegt als sein Vorgänger? Burkhard Kieker winkt ab. Er will sich nicht mit Hanns Peter Nerger vergleichen, dessen Job er im Januar übernommen hat. Seitdem ist der 48-jährige Kieker Geschäftsführer der Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM). Eine Äußerlichkeit fällt aber gleich auf: Der auch bei 30 Grad stets bis obenhin zugeknöpfte Einstecktuchträger Nerger wurde in der Öffentlichkeit nie ohne Krawatte gesehen. Kieker ist da etwas legerer. Zum Gespräch mit dem Journalisten legt er erstmal die Krawatte ab.

Seine Aufgabe ist es, die Erfolgsgeschichte der vergangenen Jahre fortzusetzen. Anfang der Neunzigerjahre kamen weniger als acht Millionen Touristen an die Spree, im Jahr 2008 werden es rund 18 Millionen gewesen sein. Berlin dürfte auch ohne jegliche Tourismuswerbung viele Besucher anziehen, aber dem 61-Jährigen Nerger wird von allen Seiten gute Arbeit bescheinigt. Auch vom Nachfolger: „Es ist sein Verdienst, dass in Berlin in Sachen Tourismus heute alle an einem Strang ziehen“, sagt Kieker.
Nun übernimmt der Mann, der zuvor Flughafensprecher des BBI war, den neuen Job zu einem Zeitpunkt, in dem die Wirtschaftskrise auch den Tourismus erreicht. Briten und Amerikaner, die die Wirtschaftskrise besonders hart traf, kamen letztes Jahr schon weniger nach Berlin. Kieker zufolge kann Berlin aber selbst in der Krise punkten: „Wenn die Leute ein schmaleres Reisebudget haben, werden sie beim Vergleichen feststellen, dass wir in ganz Europa das beste Preis-Leistungsverhältnis bieten.“

Der Mann aus Bergneustadt im Bergischen Land war von klein auf begeistert vom Fliegen. Mit 14 flog er sein erstes Segelflugzeug. Kieker studierte in München, wurde Journalist und arbeitete unter anderem für die „Zeit“. Später lernte er den damaligen Lufthansa-Chef Heinz Ruhnau kennen. Der machte Kieker zum Vorstandsreferenten und schickte ihn kurz vor dem Mauerfall nach Berlin, wo er über die Entwicklungen im Osten der Stadt berichten sollte. Eine bewegte Zeit. Am bewegendsten für Kieker war der erste Flug der Lufthansa nach Berlin seit dem Krieg, den er organisierte. Hunderte Kinder aus Tschernobyl, darunter viele strahlenkrank, sollten ihre Ferien in der DDR verbringen. Doch der Staat befand sich im Frühjahr 1990 in Auflösung und die Reichsbahn konnte den Transport nicht organisieren. Als Kieker davon hörte, fragte er seinen Chef in Frankfurt, ob die Lufthansa nicht helfen könne. „Gehen sie runter zur Flotte und nehmen Sie sich zwei Jumbos“, sagte Ruhnau bloß. Die Alliierten gaben grünes Licht und die Kinder durften fliegen. „Es ist unvergesslich, wie sich die Kinder gefreut haben, als im Flugzeug der Micky-Maus-Film anlief.“

Nach der Zeit bei der Lufthansa arbeitete Kieker beim Auslandssender Deutsche Welle TV in Berlin. 1997 folgte wieder eine Aufgabe in der Luftfahrt: Kieker wurde Sprecher des Flughafenprojekts Berlin Brandenburg International. Zu seinen Aufgaben gehörte auch die Verhandlung mit Billigfliegern, die man für den Standort Schönefeld begeistern wollte. Heute holen Airlines wie Easyjet oder German Wings tausende Touristen aus ganz Eu-ropa nach Berlin. „Die Billigflieger sind ein wichtiger Faktor für den Erfolg des Berlin-Tourismus in den vergangenen Jahren“, betont Kieker. Auch die Kontinentalverbindungen in die USA und nach China seien wichtige Meilensteine für die Stadt gewesen.

China zählt er zu den Zukunftsmärkten, die die BTM künftig stärker bearbeiten soll. Zudem will er mehr Kongresse in die Stadt holen. Dabei will sich der gut vernetzte Kieker eng mit anderen Institutionen abstimmen. Einen besonders guten Draht hat er zu René Gurka, dem Chef der Berlin Partner GmbH.
Auch wenn er nicht mehr für den Flughafen arbeitet, bleibt Kieker Vielflieger: Schließlich muss er in der ganzen Welt für Berlin werben. Aber er wird darauf achten, dass seine Frau und seine zwei Kinder (acht und fünf) ihn auch zu Hause in Friedenau antreffen. Zur Einstellung auf Führungsaufgaben hat er vor einigen Jahren die renommierte Business School in Fontainebleau besucht. Was er dort über Manager gelernt hat, gab ihm schon zu denken: „Ein Großteil des Kurses hat sich mit dem Thema Work-Life-Balance befasst.“

Alexander Visser


Aus der Ausgabe 3 / 2009

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