Guter Stand
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Foto: promo |
So einer wie Hans Georg Näder steigt in Peking nicht bei einer Hotelkette ab: „Das ist doch nicht landestypisch.“ Während der Paralympischen Spiele in China 2008 wohnte der 48-Jährige lieber in einem alten Hutong-Haus in der Altstadt, mit begrüntem Innenhof und Mao-Bildnissen an den Wänden. Nach Peking reiste der Mann aus Duderstadt bei Göttingen, weil sein Unternehmen Otto Bock sich seit Jahren als einer der Hauptsponsoren der Olympischen Spiele der Menschen mit Behinderungen engagiert.
Vielleicht ist es diese unprätentiöse Nähe zu den Menschen, die ihn zu dem gemacht hat, was er heute ist: Näder ist eine der erfolgreichsten Unternehmerpersönlichkeiten Deutschlands. Der geschäftsführende Gesellschafter hat Otto Bock mit 4300 Mitarbeitern und Dependancen in über 40 Ländern zum Weltmarktführer in der technischen Orthopädie gemacht.
Was sich hinter dem Begriff verbirgt, kann man ab 16. Juni am Potsdamer Platz genauer erfahren, dann öffnet dort das Otto Bock Science Center. Am 13. Juni kann man zur Langen Nacht der Wissenschaften schon mal hinein. Hans Georg Näder, von Mitarbeitern kurz HGN genannt, schaut zufrieden aus dem Fenster der Otto Bock Lounge im 17. Stock des Beisheim Centers auf die Baustelle der bald modernsten Medizintechnik-Erlebnisbühne der Welt. Zufrieden kann er auch sein: 2008 betrug der Umsatz des Unternehmens 576 Millionen Euro.
Noch glücklicher ist Näder darüber, dass die Firma jetzt an den Ort zurückkehrt, an dem Gründer Otto Bock sie einst ins Leben rief, in Kreuzberg, um Kriegsversehrte zu versorgen. 1990 übernahm Näder die Firma von seinem Vater Max Näder, dem Schwiegersohn des Gründers. Die Produkte der Otto Bock Healthcare heißen „Superfour“ oder „Dynamic Arm“, sind durchdesignt und finden auch in China reißenden Absatz. „Da haben wir nach den Paralympics ein zweistelliges Plus.“ Das zweite Standbein ist die Otto Bock Kunststoff Holding, die in Europa und den USA zu den führenden Herstellern von PUR-Schaumstoffen und -systemen zählt. Das dritte Standbein, die Sycor GmbH, beschäftigt weltweit rund 260 EDV-Mitarbeiter.
Das Unternehmen sucht gut ausgebildete Fachkräfte
Geschäftsführender Gesellschafter:
Hans Georg Näder
Adresse: Max-Naeder-Str. 15,
37115 Duderstadt
Umsatz: 576 Millionen Euro
Telefon: 05527 / 848-0
Web: www.ottobock.de
Wie hat Näder einen kleinen Familienbetrieb in einen Global Player verwandelt? „Ich denke nicht so kurzfristig wie angestellte Führungskräfte“, sagt er und ist sich sicher, dass die Wirtschaftskrise „vorbeizieht wie eine Gewitterfront“. Näder wurde unter anderem schon Deutscher Entrepreneur 2003, erhielt 2005 den Niedersächsischen Staatspreis. Mit Katarina Witt engagiert er sich in Benefiz-Stiftungen.
Er will die Gesundheitsstadt Berlin weiter profilieren, Kunden aus Mittel- und Osteuropa, aber auch der arabischen Welt im Science Center betreuen. „Unsere Rollstühle und Prothesen helfen den Menschen, früher wieder ins Familienleben und den Beruf zurückzukehren.“ Seine Vision: Er will Neurotechnologie-Prothesen herstellen, die der Träger kraft seiner Gedanken steuern kann. Der verheiratete zweifache Vater entspannt sich gern bei seiner Familie. „Ich freue mich, wenn ich mal nicht reise und bei ihr bin.“
Allerdings findet er in seiner Arbeit auch viel Bestätigung. Etwa dann, wenn er Menschen wie Curtis Grimsley bei seinem Berlinbesuch begrüßen kann: Der beinamputierte New Yorker überlebte den Terroranschlag des 11. September 2001 nur, weil er eine Hightech-Prothese aus dem Hause Otto Bock trug. So konnte er aus dem 70. Stock die vielen Treppen herunter um sein Leben rennen. Näder weiß, wie es ist, Unglaubliches zu leisten. Er hält den Guinness-Rekord beim Überqueren des Ärmelkanals in einem Amphibienfahrzeug.
Annette Kögel
Aus der Ausgabe 6 / 2009

