Geschäftsfrau mit Gemeinsinn

Gabriele Minz organisiert in diesem Jahr zum zehnten Mal das Young Euro Classic Festival. Ob es ein elftes geben wird, ist fraglich. In der Finanzkrise fehlen die Sponsoren
Gabriele Minz wurde 1950 im Westerwald geboren. Seit 1970 lebt sie in Berlin, studierte Psychologie und VWL. 1996 gründete sie eine Unternehmensberatung. Sie ist verheiratet und hat zwei Söhne. Foto: Thilo Rückeis


Unternehmertum und bürgerschaftliches Engagement sind selten so eng vereint wie in der Person von Gabriele Minz. Die Unternehmerin Minz managt das Young Euro Classic Festival – die engagierte Bürgerin Minz hat den Freundeskreis mitgegründet, der das Festival erfand. Geschäft und Engagement sind hier eine strategische Allianz eingegangen, die bislang ziemlich gut funktioniert.

Als eine Handvoll Berliner Medienschaffender und Unternehmer im Jahr 2000 den Deutschen Freundeskreis europäischer Jugendorchester gründete, musste Berlin sich noch an seine neue Rolle als Hauptstadt gewöhnen. „Die Stadt war wie ein junger Pudel, der herumtollte“, erinnert sich Gabriele Minz, die heute 58 Jahre alt ist.

Der Stadt fehlte es noch an kulturellen Großereignissen, vor allem im Sommer. So entstand die Idee zu einem Festival, das europäische Jugendorchester in das Konzerthaus am Gendarmenmarkt holen sollte.

Kaum einer der Gründer war Musikexperte. Gabriele Minz besaß zwar eine stattliche Jazz-Sammlung, hatte aber Volkswirtschaft und Psychologie studiert. Doch sie wusste, wie man Kompetenz einkaufen kann. Ihre Unternehmensberatung gab dem Festival ein professionelles Gesicht, streng nach der Ganz-oder-gar-nicht-Philosophie der Unternehmerin. Und das Festival, das entgegen der Prognosen einen festen Platz im Kulturkalender der Hauptstadt fand, wurde umgekehrt zum Flaggschiff der Dr. Gabriele Minz GmbH.
Das Kerngeschäft der Hauptgesellschafterin Minz und ihrer elf Mitarbeiter ist interkulturelles Management: Der Aufbau und die Pflege internationaler Partnerschaften, die Organisation von Veranstaltungen im Ausland, das Management und die Vermarktung interkultureller Events.

Viele ihrer Projekte haben sich aus den Festivalkontakten ergeben. So wurde Minz von der Regierung Aserbaidschans mit der Ausrichtung des Aserbaidschan-Jahres in Deutschland beauftragt. Den Kontakt hatten Begleiter des dortigen Jugendorchesters hergestellt. Über 60 Veranstaltungen organisierten Minz und ihre Mitarbeiter im Jahr 2008 für die Kaukasusrepublik in mehreren deutschen Großstädten.

Firmeninfo
| Gabriele Minz GmbH |
Geschäftsführer: Gabriele Minz
Adresse: Meierottostraße 6,
10719 Berlin
Umsatz: k.A.
Mitarbeiter: 11
Telefon: 030 / 88 47 13 90
Web: www.minzgmbh.de

Auch das Flaggschiff hat sich zu einem echten Großereignis gemausert. An 17 Tagen im Jahr spielen beim Young Euro Classic Hunderte junger Musiker aus aller Welt vor rund 25 000 Besuchern. Die Koordination, die Vermarktung, die Budgetierung und das Fundraising liegen in den Händen der Dr. Gabriele Minz GmbH. Wo möglich, greift Gabriele Minz auf ehrenamtliche Angebote aus dem Freundeskreis zurück. Trotzdem sind in ihrem Unternehmen zwei bis drei Mitarbeiter das Jahr über mit dem Festival betraut. Ab Januar steigt der Aufwand jedes Mal stetig an, kurz vor der Veranstaltung im August sind schließlich bis zu 25 interne und freie Mitarbeiter im Einsatz.

Einen nicht unwesentlichen Teil der Arbeit nimmt die Finanzierung des Festivals in Anspruch. Die kommt zu großen Teilen von Sponsoren und Spendern. Öffentliche Gelder decken nur etwa 12 bis 15 Prozent der Kosten. In diesem Jahr, dem Jahr der Wirtschaftskrise, wird das Fundraising zum Problem. Noch fehlt selbst für das Festival 2009 Geld, da einige der Sponsoren ihr Budget verkleinern mussten. Gabriele Minz sieht sich deshalb gezwungen, auf „bürgerschaftliches Engagement“ zu setzen. Sie hat eine Kampagne ins Leben gerufen, die Kleinspender mobilisieren soll. Ob sich das Festival auf die Dauer halten kann, wenn die Krise andauert, weiß Gabriele Minz noch nicht. Die Zusagen für das Jahr 2010 lassen auf sich warten, da viele Sponsoren ihren finanziellen Handlungsspielraum wahren wollen. „Wir müssen die Möglichkeit ins Auge fassen, dass es ein elftes Jahr nicht gibt“, sagt Gabriele Minz.

Die Bürgerin Minz, die, wie sie selbst sagt, das Festival liebt, scheint beunruhigt bei diesem Gedanken. Die Unternehmerin allerdings bemüht sich um Optimismus. Schließlich ist sie zu dem, was sie heute tut, auch nur mehr oder weniger zufällig gekommen. „Und so ein Leben ist zu schade, um immer dasselbe zu machen.“ Sollte das Festival nicht mehr finanziert werden können, werde sie eben etwas anderes finden. Zunächst aber setzt Gabriele Minz auf engagierte Bürger und Unternehmer. 2000 Leute muss sie finden, die jeweils 30 Euro spenden.

Anna Sauerbrey


Aus der Ausgabe 7/8 / 2009

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