„Die Turmstraße darf nicht abgleiten“

Interview mit Cartsen Spallek zum Report "Magnet und Molloch"
Carsten Spallek ist Wirtschaftsstadtrat in Mitte. Außerdem ist er Haushaltsexperte der CDU-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung.
Foto: promo

Herr Spallek, Sie haben im Juli den ins Europaparlament gewählten Joachim Zeller als Stadtrat für Wirtschaft, Immobilien und Ordnungsamt in Mitte abgelöst. Wo wollen sie in diesem Amt eigene Akzente setzen?

Das ist schwierig, wenn man ein Amt mitten in der Wahlperiode übernimmt. Aber auch, weil der Bezirk Mitte ein Haushaltsnotlagebezirk ist, Personal abgebaut und Angebote reduziert werden. Was wir machen, darf wenig bis gar nichts kosten.

Welches sind für Sie momentan die drängendsten Themen?

Ein wesentliches Thema ist für uns die Umsetzung des zweiten Konjunkturpakets, durch das wir knapp 13 Millionen Euro zusätzlich verbauen können. Gleichzeitig müssen wir darauf achten, dass wir alle mit dem Paket verbundenen Fristen einhalten, damit wir nicht auf den Kosten sitzen bleiben.

Wie sieht für Sie eine gute bezirkliche Wirtschaftsförderung aus?

Meiner Überzeugung nach muss „die Wirtschaft Wirtschaft machen“, das gilt auch für die bezirkliche Wirtschaftsförderung.
Unsere Aufgabe ist es dabei, Hindernisse abzubauen oder gar nicht erst entstehen zu lassen. Anfang 2010 starten wir außerdem einen Unternehmensservice – gemeinsam mit Berlin Partner. Dann wird es einen bezirklichen Berater geben, der die Anfragen der Unternehmen aufnimmt, koordiniert und sie den entsprechenden Ansprechpartner weiterleitet. Auf diese Weise können wir unsere verschiedenen „Kunden“ noch individueller beraten und helfen, Unternehmen zu sichern und die bezirkliche Wirtschaftsförderung zu stärken.

Wie wollen Sie kleinere Unternehmen stärken?

Indem wir noch stärker mit der Bundesagentur für Arbeit zusammenarbeiten und Kooperationen und Netzwerke von kleinen Unternehmen unterstützen. Wenn die wirtschaftliche Lage im Herbst auf den Arbeitsmarkt durchschlagen sollte, sollen vor allem kleine und mittlere Unternehmen darüber informiert werden, wie sie Beschäftigung sichern können – zum Beispiel durch Kurzarbeit. Und auch, indem sie ausbilden.

Die „Altmitte“ ist für viele Unternehmer ein attraktiver Standort. Was tun Sie, um auch Tiergarten, Moabit, Wedding oder Gesundbrunnen für Ansiedlungen interessanter zu machen?

In diesen Ortsteilen gibt es Potenziale, die noch nicht erkannt sind – obwohl sich zum Beispiel in Wedding die Bayer Schering Pharma AG und in Moabit das Siemens Turbinenwerk angesiedelt haben. Viel Raum zu günstigen Preise gibt es zum Beispiel in der Gerichtstraße in Wedding. Wir versuchen, Standorte wie diesen bekannter zu machen, die Gewerbestandorte zu sichern und weitere Ansiedlungen zu fördern.

Was wollen Sie generell für die „Schmuddelgegenden“ tun?

In den nächsten acht Jahren sollen die Stadtzentren Turmstraße und Müllerstraße aufgewertet werden – dafür stehen uns durch das Bund-Länder-Programm „Aktive Stadtzentren“ jedes Jahr jeweils bis zu eine Million Euro zur Verfügung. Eine schnelle Umsetzung ist vor allem für die Turmstraße wichtig, damit der Standort nach der Schließung des Hertie-Kaufhauses nicht „abgleitet“.

Das Interview führte Rita Nikolow


Aus der Ausgabe 10 / 2009

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