Nur miteinander geht es vorwärts
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Frank Balzer (CDU) Foto: Mike Wolff |
Am 1. Oktober hat Frank Balzer die Nachfolge von Marlies Wanjura angetreten, die nach 14-jähriger Amtszeit kurz vor Vollendung ihres 65. Lebensjahres aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten war. Parteipolitischer Streit um die Mittelbewilligung für den Ausbau des Borsighafens und über die ordnungsgemäße Verbuchung von Spendengeldern hatten die erfolgreiche Kommunalpolitikerin offensichtlich zermürbt. Gewählt wurde Balzer mit 38 Stimmen, und da CDU und FDP zusammen nur 30 Bezirksverordnete in die Abstimmung schicken konnten, mussten da auch grüne Stimmen dabei gewesen sein, was ihn besonders freut. Im Laufe der Jahre hat sich Balzer vom eher rechten CDU-Flügel – er arbeitete auch für den früheren Senator Peter Radundski – zur Mitte hin entwickelt. Dass Kommunikation und Zuhören im Rathaus von entscheidender Bedeutung sind, beschreibt er als Ergebnis eines ihm wichtigen Erfahrungsprozesses.
Der 44-jährige Familienvater von vier Töchtern schwört wohl nicht nur zu Hause, sondern auch in der Kommunalpolitik auf das Konkordanzprinzip. Alle wesentlichen politischen Kräfte, mit denen man sich programmatisch einigen kann, sollten den Bezirk zusammen führen. Mit dem stellvertretenden Bürgermeister, dem Sozialdemokraten Peter Senftleben, harmoniert er besonders. Senftleben war es auch, der nach dem Rücktritt Wanjuras kommissarisch die Geschicke des Bezirks leitete.
Als Bezirksbürgermeister wird Balzer weiter für Sport, Personal und Finanzen verantwortlich sein. Der Sport ist ihm wichtig, weil er den 200 Reinickendorfer Vereinen mit ihren 38 000 Mitgliedern einen hohen Rang für eine funktionierende Gemeinschaft bestätigt, schließlich ist nichts so multikulti wie der Sport. Und Ehrenämter hält Balzer ohnedies für fundamental in der Bürgergesellschaft, die in Reinickendorf historisch Tradition hat, immerhin ist der Bezirk auch aus acht funktionierenden Dorfgemeinschaften zusammen gewachsen, deren Vereinsleben sich über mehr 100 Jahre erhalten hat.
Der öffentliche Dienst Reinickendorfs gilt als beispielhaft schlank in Berlin. Für die Belange der 242 000 Einwohner stehen 1500 Mitarbeiter zur Verfügung. Im vergangenen Jahr wurde ein Haushaltsüberschuss von neun Millionen Euro erwirtschaftet. Bei einem Etatvolumen von 466 Millionen Euro für 2010 sind das immerhin zwei Prozent.
Seit dem Fall der Mauer ist der Bezirk aus einer Rand- in eine Mittellage gerückt. Das hat, so analysiert der neue Bezirksbürgermeister, Vor- und Nachteile. Endlich kann man das herrliche Umland wieder genießen. Vor allem der Norden, Frohnau, Hermsdorf und Waidmannslust sind gerade bei jungen Familien überaus beliebte Wohnlagen. Die anerkannte Qualität der Schulen tut ein Übriges. Hermsdorf ist gleichzeitig jwd und mittendrin, mit der S 1 fährt man bis zum Bahnhof Friedrichstraße 29 Minuten.
apz
Aus der Ausgabe 11 / 2009
