Interview zum Bezirksreport Tempelhof-Schöneberg

„Ich setze auf die Strahlkraft des BBI“

Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg verfügt über eine breite Infrastruktur – und wirtschaftliches Potenzial
Ekkehard Band (SPD), Bezirksbürgermeister von Tempelhof-Schöneberg und Leiter der Wirtschaftsförderung
Foto: Reiner Freese/promo

Herr Band, Tempelhof-Schöneberg gilt als einer der wichtigsten Industriestandorte in Berlin. Was haben Sie eigentlich dazu beigetragen?

Tempelhof war schon immer ein starker Wirtschaftsstandort. Wir sind der größte Industriebezirk in Berlin. Wir haben zwar massiv gelitten nach der Wiedervereinigung, verfügen aber immer noch über eine breite industrielle Struktur. Wir haben ein aktives Standortmarketing betrieben und inzwischen zwei branchenübergreifende Industrienetzwerke gegründet. In der Motzener Straße läuft das hervorragend. Und andere Kommunen, auch über Berlin hinaus, machen uns das inzwischen nach.

Spüren die Unternehmen im Bezirk Auswirkungen der Wirtschaftskrise?

Berlin befindet sich ja auf einem niedrigen Wirtschaftsniveau. Die Tempelhofer Unternehmen sind von der Wirtschaftskrise nicht so erfasst worden, wie wir das befürchtet haben, natürlich auch wegen bundespolitischer Maßnahmen, wie beispielsweise dem Kurzarbeitergeld. Ich schaue durchaus optimistisch in die wirtschaftliche Zukunft des Bezirks. Es gibt viele interessante Investitionen. Zum Beispiel entsteht am Bahnhof Südkreuz ein großes Logistikzentrum.

Gibt es noch größere Flächen, die Sie vermarkten können?

Es gibt noch ausreichend Flächen für Industrieansiedlungen an allen drei großen Gewerbestandorten im Bezirk. Wir können ja nicht überall Einzelhandel zulassen.

Am Flughafen Tempelhof wäre Platz genug für einen Global Player. Schauen Sie auf die Entwicklung dort mit einem lachenden oder eher einem weinenden Auge?

Das ist gelaufen. Es ist aus meiner Sicht auch eine Chance für den Bezirk. Ich erwarte, dass wir am Flughafen Tempelhof eine maßvolle Randbebauung bekommen, die neben dem Wohnen auch das Gewerbe berücksichtigt. Wir sind ja Achsenbezirk für den neuen Flughafen BBI. Daher hoffe ich, dass wir spätestens mit der Inbetriebnahme des neuen Großflughafens in Schönefeld eine enorme Ausstrahlungswirkung auf den Bezirk bekommen.

Der Bezirk hat, wie andere auch, eine Haushaltssperre verhängt. Wie geht das zusammen mit dieser günstigen Industriestruktur? Müsste nicht eigentlich mehr Geld übrig sein als in anderen Bezirken?

Der Bezirk hat nichts von der Gewerbesteuer, die fließt direkt in den Landeshaushalt. Vor vielen Jahren habe ich die Forderung vertreten, die Bezirke unmittelbar am Gewerbesteueraufkommen zu beteiligen. Damit haben wir uns aber nie durchgesetzt. Man müsste dann allerdings auch ein Finanzausgleichsystem mitbeschließen, weil es natürlich unterschiedliche Standortbedingungen gibt.

Ein wichtiges Projekt für den Bezirk ist die Energieuniversität „Euref“ am Schöneberger Gasometer. Haben Sie noch Hoffnung, dass dieses Projekt realisiert wird?

Ich habe nie die Erwartung gehegt, dass es dort gleich losgeht und sofort 500 Millionen Euro investiert werden. Nun fährt die Energieuniversität erst einmal auf kleinerer Flamme, aber ich gehe nach wie vor davon aus, dass sich dort etwas entwickelt.
In der Wirtschaftsförderung des Bezirks arbeiten ausschließlich Frauen – ist das Erfolgsgarant?
Es sind sehr engagierte Frauen. Frauenpower ist manchmal nachhaltiger als Männerpower.

Die Fragen stellte Thomas Loy


Aus der Ausgabe 2 / 2010

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