Nur für Mitglieder

Exklusivität und Diskretion werden bei den Berliner Businessclubs großgeschrieben. Berlin maximal stellt die größten der Stadt vor und hat recherchiert, was Geschäftsleute an ihnen schätzen
Modern und gediegen: Blick in die Bar des China Club. Foto: promo

Wer Geschäfte macht, braucht dafür Raum. Raum, um potenzielle Businesspartner kennen zu lernen, bereits vorhandene Kontakte zu pflegen, über mögliche Kooperationen zu sprechen und Verträge auszuhandeln. Angelegenheiten, bei denen nicht nur die Chemie zwischen den Wirtschaftsakteuren stimmen muss: In der Geschäftswelt bedarf es einer Atmosphäre, die, hinter verschlossenen Türen und abseits der Öffentlichkeit, Vertrauen und Verbindlichkeit schafft.

Exklusivität und Diskretion haben sich die Berliner Businessclubs auf die Fahnen geschrieben. Sie verfügen je nach Größe in der Regel über mindestens eine Immobilie, zu der nur Clubmitglieder, deren Angehörige sowie Gäste Zutritt haben. Die Clubs bieten ihren Mitgliedern gegen eine Aufnahmegebühr und einen Mitgliedsbeitrag neben einem gehobenen Ambiente mit Restaurants, Bars und Loun–ges auch Konferenzräume, die ohne Zusatzkosten genutzt werden können. Zudem locken die Clubs mit Veranstaltungen wie Business-Brunch, Unternehmerabenden oder Vorträgen zu wirtschaftspolitischen Themen.

Der Berliner Unternehmer Andreas Boehlke, Initiator des „Festival of Lights“, leistet sich Mitgliedschaften in mehr als 20 Berliner Businessclubs und Netzwerken – um Leute kennen zu lernen und Kontakte zu pflegen. „Es ist wichtig, dabei zu sein, um Verbindungen zu halten“, sagt er. Die zahlreichen Veranstaltungen der Clubs besuche er nicht in erster Linie, um Geschäfte abzuwickeln. „Ich bin ein Netzwerker und liebe den Umgang mit Menschen. Wenn etwas Geschäftliches dabei rauskommt, freue ich mich.“

Capital Club - zur Klientel gehören Manager, Politiker und Diplomaten

„Members only“ – „Nur für Mitglieder“ steht dezent, aber eindeutig auf dem ovalen Schild neben der Tür zum Berlin Capital Club. Ein Aufzug bringt Gäste und Mitglieder vom Erdgeschoss hinauf in die Dachetage des Hilton-Hotels am Gendarmenmarkt, wo der Club residiert. Eine Concierge im dunkelblauen Kostüm nimmt die Besucher oben im siebten Stock in Empfang. Über dicke Teppiche führt der Weg flankiert von Gemälden vorbei an den Konferenzräumen „Salon Oriental“ und „Palmerston Room“ zum Herzen des Clubs: der hauseigenen Gastronomie.

| Der Berlin maximal Club |
Unternehmer treffen, Erfahrungen austauschen, über Wirtschaftsthemen reden, in angenehmer Atmosphäre Kontakte knüpfen: All dies können Berliner Geschäftsleute beim Businessclub von Berlin maximal (Bmax) tun. In dem Club, der sich vor allem an kleine und mittelständische Unternehmer richtet, haben Mitglieder zehn Mal im Jahr die Möglichkeit, bei Podiumsdiskussionen und Seminaren zu wirtschaftsrelevanten Themen im Firmensitz des Tagesspiegels am Askanischen Platz in Kontakt zu treten. Bei der jüngsten Clubveranstaltung Ende Januar ging es um die Chancen des Großflughafens Berlin Brandenburg International (siehe Bericht auf unseren Parkett-Seiten).
Am 25. März steht ein Coaching-Seminar für Manager auf dem Programm. Clubmitglieder zahlen eine einmalige Aufnahmegebühr (500 Euro) und einen Jahresbeitrag (1500 Euro) zuzüglich Mehrwertsteuer. Darin ist ein Anzeigenvolumen von 1115 Euro in Berlin maximal enthalten. Unter http://club-berlin-maximal.de können sich die Clubmitglieder branchenübergreifend und interaktiv miteinander vernetzen. Das Magazin Berlin maximal wird künftig auf einer eigenen Seite über die Aktivitäten des Clubs berichten. Weitere Informationen gibt es unter Telefon 030 / 290 21–155 01

Wer in der Lounge des Capital Clubs in einem der schweren dunkelbraunen Ledersessel Platz nimmt, blickt von der großen Fensterfront auf den Deutschen Dom. Manager treffen sich hier oder im angrenzenden Restaurant, Firmenbesitzer und Geschäftsführer kleiner, mittelständischer und großer Unternehmen unterschiedlicher Branchen, aber auch Bundesminister, Staatssekretäre und Botschafter. „Menschen, die Entscheidungen treffen“, nennt es Club-Manager Michael Buchinger. Rund 1300 Mitglieder zählt der Businessclub am Gendarmenmarkt derzeit. Der Mittelstand ist dabei mit 60 bis 70 Prozent der Mitglieder besonders stark vertreten. 80 Prozent der Klientel kommen aus Berlin und Brandenburg, der Rest aus anderen Teilen Deutschlands oder der Welt. „Viele Firmenbesitzer und Unternehmensgründer aus dem Ausland haben hier in der Stadt keine eigenen Repräsentativräume“, sagt Buchinger. „Die kommen dann zu uns.“

Um die Mittagszeit sind nur wenige Plätze des Clubrestaurants besetzt. Am Nachbartisch nippen drei Herren in dunklen Anzügen an ihrem Aperitif. Ihre Unterhaltung – man spricht Englisch – verklingt zwischen dem schweren, beigefarbenen Teppich und klassischer Klaviermusik, die leise ans Ohr dringt. Am Tisch an der Fensterfront studiert ein prominentes Clubmitglied die Tagespresse; der ehemalige US-Botschafter John Kornblum hat es sich mit seiner Lektüre in einem Sessel gemütlich gemacht. Viele Geschäftsleute, sagt Buchinger, treffen sich in den Morgenstunden im Capital Club mit Partnern zum Frühstück; auch die einmal im Monat stattfindenden „Kamingespräche“ mit prominenten Gastrednern und die „Ladies‘ Lounge“ sind bei den Clubmitgliedern beliebt.

Mitglieder des Capital Club profitieren zudem von einem internationalen Clubnetzwerk. Wer geschäftlich viel im Ausland unterwegs ist, kann die mehr als 250 Häuser assoziierter Institutionen in Paris, New York, Dubai, Peking oder Tokio nutzen. Ein Komitee entscheidet über Neuaufnahmen; wer dabei sein will, braucht dafür die Empfehlung eines Bekannten. Die Exklusivität hat ihren Preis: Die Aufnahmegebühr kostet zwischen 4500 und 6500 Euro, der Jahresbeitrag 1375 Euro.

Offiziersclub - Im Westen findet sich Berlins älteste Business-Institution

Der größte und älteste Berliner Businessclub ist der International Club Berlin (ICB) im Westen der Stadt. Zu Zeiten der Bonner Republik waren der damalige Regierende Bürgermeister von Berlin, Eberhard Diepgen, und andere Polit- und Wirtschaftsgrößen Stammgast im weiträumigen, im Stile eines britischen Countryclubs eingerichteten Clubhaus nahe des Theodor-Heuss-Platzes. Der Thronfolger des britischen Könighauses, Prince Charles, ist Schirmherr der 1994 aus dem „British Officers Club“ – einem Treffpunkt britischer Offiziere – hervorgegangenen Institution. Der International Club hat, wie es auf seiner Homepage heißt „den Anspruch, den ausländischen Gästen Berlins, Diplomaten, Vertretern von Firmen und Medien, einen Ort der Begegnung mit den Bürgern der deutschen Hauptstadt zu schaffen“. Dafür gibt es im International Club auf insgesamt 1,5 Hektar Fläche jede Menge Platz: Neben einem Clubhaus mit Restaurant, Salons und Konferenzräumen stehen der Klientel auch ein großzügiger Garten mit Terrasse, acht Tennisplätze sowie ein Schwimmbad zur Verfügung. Hier deutet sich an, dass die Welt des ICB sich nicht ausschließlich ums Geschäftliche dreht: Socialising, der persönliche Kontakt zwischen den Mitgliedern, ist beim International Club oberstes Gebot.

Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl, der frühere Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher und zahlreiche ehemalige Bundespräsidenten sind Ehrenmitglieder des Clubs; auch der aktuelle Verteidigungsminister der Republik, Karl-Theodor zu Guttenberg, ist zahlendes Mitglied.

Für die britische Geschäftsfrau Vanessa Cox war der ICB der erste Anlaufpunkt, als sie 2002 mit ihrer Familie in die Hauptstadt zog. „Es war für mich der einzige internationale Begegnungsort zwischen Wirtschaft und Politik“, sagt die 41-Jährige. Durch die Clubmitgliedschaft knüpfte die Britin schnell neue Kontakte – privat und geschäftlich. Ein Gewinn für die Personalberaterin: „20 Prozent meines Umsatzes mache ich mit Kunden, die ich im Umfeld des Clubs gewonnen habe“, sagt sie. Und als Cox einen Mitarbeiter suchte, wurde sie in ICB-Kreisen fündig. Geschäfte allerdings schließt die Britin prinzipiell nur außerhalb des Clubhauses an der Thüringer Allee ab. „Hier im Club trifft man sich auf privater Ebene, das Business passiert draußen.“

China Club - Die Institution setzt auf eine gediegene, private Atmosphäre

Der exklusivste unter den Berliner Businessclubs ist der China Club im Adlon Palais an der Behrenstraße. Dabei will die Institution unweit des Brandenburger Tors offiziell kein Club fürs Geschäftliche sein – sondern einer für die Pflege des gesellschaftlichen Miteinanders. Zu den rund 700 Mitgliedern des China Clubs zählen Unternehmer und zahlreiche Prominente aus Wirtschaft, Unterhaltungs- und Fernsehbranche. Namen will Club-Sprecherin Angela Contzen nicht nennen. „Es sind die, die es geschafft haben.“ Dass es sich dabei wohl vor allem um eine zahlungskräftige, internationale Klientel handelt, die sich gerne mit ein bißchen Luxus umgibt, zeigt sich beim Rundgang durch den zweigeschössigen Club: Die Räume sind mit maßgefertigten Möbeln, handbemalten Tapeten und einer beachtlichen Sammlung von Antiquitäten und zeitgenössischer Kunst aus China bestückt – angeblich die größte außerhalb des Reichs der Mitte. Von der Dachterrasse des Hauses kann man die historische Mitte überblicken – die Fläche mit Rundblick wird besonders im Sommer gerne für private Feiern genutzt. 

Als „repräsentatives Wohnzimmer“ bezeichnet Club-Sprecherin Contzen das gehobene Ambiente, für dessen Nutzung Privatmitglieder eine Aufnahmegebühr von 10 000 Euro, Unternehmen 20 000 Euro bezahlen müssen. Der Jahresbeitrag kostet zwischen 2000 und 2500 Euro. „Hier ist man unter sich und kann sich treffen, ohne dass es jemand mitbekommt“, sagt Contzen. Viele Mitglieder nutzten den Club für private Feiern – oder um dem Trubel der Großstadt zu entfliehen und einfach abzuschalten.

Sarah Kramer


Aus der Ausgabe 3 / 2010

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