Schaun mer mal
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Fussball gespielt wird dieses Mal hauptsächlich am Abend. Das freut die Chefs. Foto: ddp |
Ganz so schlimm wie bei der WM in Japan und Südkorea vor zehn Jahren, als man aufgrund der Zeitverschiebung schon zum Frühstück die Spiele verfolgen konnte, wird es dieses Mal nicht. Zum einen sind es bei der Europameisterschaft weniger Begegnungen als bei einer Weltmeisterschaft, zum anderen finden die Spiele in unserer Zeitzone statt. Selbst wenn es noch kurz vor knapp Änderungen bei den Austragungsorten in der Ukraine geben sollte, beginnen die Spiele ganz sicher zu den gesetzten Terminen – was man von anderen Großereignissen (siehe Flughafeneröffnung) nicht sagen kann.
Alle EM-Spiele beginnen in diesem Jahr entweder um 18 Uhr oder um 20.30 Uhr. Das ist für Betriebe mit normalen Kernarbeitszeiten einigermaßen unproblematisch. Die meisten Arbeitgeber und ihre Arbeitnehmer können in ihrer Freizeit Fußball schauen. An frei zugänglichen Bildschirmen, Leinwänden und Fernsehgeräten wird es nicht mangeln.
Doch es gibt auch Firmen, die länger geöffnet haben. Und sich bereits im Vorfeld Gedanken machen, wie die Arbeit erledigt wird und die Mitarbeiter trotzdem an den Spielen, vielleicht ja sogar an einem neuen Sommermärchen teilhaben können.
Beim Druck- und Mediendienstleister Polyprint wird im Zwei-Schicht-System gearbeitet. „In der Vergangenheit hatten wir einen Beamer“, sagt Sonja Heidenwolf vom Marketing. Als eiserner Sponsor vom FC Union sind alle im Unternehmen äußerst fußballbegeistert. Da die Spiele diesmal abends stattfinden, wird es 2012 keinen Beamer geben. Dafür wird die Geschäftsführung wieder ein Tippspiel initiieren. Das ist gut fürs Betriebsklima. Und die Firma, die auch Textildruck anbietet, ist auf alles vorbereitet: Sollte die deutsche Mannschaft Europameister werden, wird es für jeden Mitarbeiter kostenlos ein passendes T-Shirt geben.
In einem Fünf-Sterne-Haus wie dem Regent Hotel verhält sich das anders. Da kann niemand im Fan-T-Shirt herumlaufen, geschweige denn von seinem Job freigestellt werden, das könne man den Hotelgästen nicht zumuten, sagt PR-Managerin Carlon Meltendorf. Allerdings wird in der Mitarbeiter-Kantine ein Fernseher aufgestellt, damit das Personal wenigstens in den Arbeitspausen die Spiele verfolgen kann.
Im Kulturkaufhaus Dussmann hat man die Dienstpläne entsprechend zusammengestellt. Denn dort gibt es Mitarbeiter, die lieber Klassik hören statt Fußball zu gucken. So kommt jeder auf seine Kosten: Die Fußballbegeisterten legen ihre Arbeitszeiten so, dass sie die Spiele sehen können – und diejenigen, die sich nicht für Fußball interessieren, übernehmen die Arbeit.
Heike Gläser
Aus der Ausgabe 6 / 2012
