Interview zum Titelthema "Soziale Netzwerke"

„Zuhören ist sehr wichtig“

Der Berliner Social-Media-Experte Wolfgang Hünnekens über soziale Netzwerke und wie sie Unternehmen verändern
Foto: promo

Herr Hünnekens, ist der Mittelstand schon im Web 2.0 angekommen?

Ich glaube, ehrlich gesagt, dass er noch nicht angekommen ist. Ich habe beobachtet, dass die meisten Unternehmer Social Media noch als Hokus Pokus empfinden. Es ist ihnen ein bisschen  unheimlich.

Was glauben Sie denn, woran das liegt?

Viele schrecken zurück vor der Tatsache, dass es sich um eine neue Art der Kommunikation handelt. Während man früher die Unternehmenskommunikation in die Hände einer Agentur oder eines Pressesprechers gelegt hat, der die Themen an Medien und Öffentlichkeit herantrug, kann jetzt Jeder mit Jedem kommunizieren. Für viele ist es auch schwer, zu verstehen, dass alles, was sie im Rahmen des Web 2.0 sagen, plötzlich öffentlich sein kann.

Ab wann lohnt es sich denn für ein Unternehmen, sich sozialer Netzwerke zu bedienen?

Es lohnt sich eigentlich immer. Es handelt sich dabei ja um die individuelle Ansprache an einen einzelnen Kunden oder eine Kundengruppe. Wenn man das sorgfältig und vernünftig tut, ist das eine spannende Sache, von der alle Seiten etwas haben.

Die Vielzahl der sozialen Netzwerke ist schon kaum mehr zu überblicken und ständig gibt es neue Entwicklungen auf dem Gebiet. Wie behält man da als Unternehmer den Überblick?

Das ist eines der größten Probleme für Viele, die in soziale Netzwerke einsteigen wollen. Man kann eigentlich gar nicht alle Programme und Techniken im Überblick behalten. Ich empfehle, am Anfang immer wieder auf den Portalen vorbei zu schauen und zu beobachten, was da passiert und geredet wird. Nur so kann man sich sicherer werden.

Was muss ich beachten, wenn ich mit Social Media Marketing betreiben will?

Zuhören ist in sozialen Netzwerken sehr wichtig. Ich vergleiche es gern mit einer Küchenparty. Da stellt man sich ja auch nicht hin, ohne sich vorzustellen und sagt, man will eine Versicherung verkaufen. Man tastet sich erstmal an das Gespräch heran, hört zu und stellt Fragen. So sollte man es auch in den sozialen Netzwerken tun: nicht gleich Werbung machen und sich selbst verkaufen, sondern mehr auf das Gegenüber eingehen. Auch gibt es im Web 2.0 die Möglichkeit, herauszufinden, ob jemand das Produkt überhaupt braucht. Ich bin als Unternehmer viel dichter an meiner Zielgruppe dran.

Wird sich das Verhältnis zwischen  Firmen und Kunden verändern?

Ich gehe davon aus, dass in Zukunft individueller auf Kundenwünsche eingegangen wird. Unternehmen und Kunden werden mehr auf Augenhöhe miteinander kommunizieren.

Und auf welche Entwicklungen müssen sich Unternehmen in Zukunft noch einstellen?

Ich glaube, dass sich in vielen Bereichen zukünftig eine andere Art des Wirtschaftens entwickeln wird. Es wird nicht mehr so sein, dass einige wenige Spezialisten an einem Ort an einer Idee tüfteln. Vielmehr werden Ideen dadurch entstehen, dass Menschen über Ländergrenzen hinweg miteinander kommunizieren So wird die Kreativität und das Wissen Vieler gebündelt und kann so ganz neue Dinge hervorbringen. Ich denke, da steht Unternehmen eine sehr spannende Zeit bevor.

Die Fragen stellte Ulrike Thiele


Aus der Ausgabe 7 / 2010

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