„Berlin will eine Vorreiterrolle einnehmen“
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Klaus Wowereit (57) ist Regierender Bürgermeister von Berlin und stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD. |
Herr Wowereit, was halten Sie davon, die Dienstwagen-Flotte des Berliner Senats elektrisch aufzurüsten?
Das Land Berlin will eine Vorreiterrolle bei der Nutzung alternativer Antriebe einnehmen. Daher prüft der Senat bereits verschiedene Möglichkeiten, wo in den Flotten des Landes Elektroautos zum Einsatz kommen können. Dies gilt für Dienstwagen ebenso wie für Nutzfahrzeuge beispielsweise bei den landeseigenen Betrieben.
Das Berliner Aktionsprogramm Elektromobilität soll im Laufe des Jahres zu einem Maßnahmeplan konkretisiert werden. Über welche Maßnahmen denken Sie nach?
Berlin will ein Schaufenster der Elektromobilität werden und auch Produktion und Fertigung von Bestandteilen in Berlin ansiedeln. Daher werden wir mit Wirtschaftspartnern ein „Kompetenz- und Erlebniszentrum Elektromobilität 2020“ am Standort Tempelhof aufbauen. Zudem denken wir über verkehrspolitische Maßnahmen nach, wie Elektromobile gefördert werden können. Beispielsweise müssen wir noch mehr für die Ladeinfrastruktur zum Beispiel in Tiefgaragen tun. Und Industriefirmen brauchen Platz. Daher werden wir den Flughafen Tegel als Entwicklungs- und Fertigungsareal für nachhaltige Technologien entwickeln.
Wird der Senat den Aufbau Berlins zum führenden Standort in Europa auch zusätzlich finanziell mit einer entsprechenden Förderung unterstützen?
Das tun wir schon heute. Der Senat finanziert verschiedene Modellprojekte der E-Mobilitätsregion Berlin/Potsdam gemeinsam mit der Bundesregierung. Der Aufbau von Ladesäulen wird unterstützt, indem Parkflächen und Säulen von jeglichen Gebühren freigestellt sind. Die Entwicklung von Flächen für die Fertigung, die Unterstützung der Wissenschaft und das Erlebniszentrum brauchen natürlich ebenfalls öffentliche Unterstützung. Wir bieten der Bundesregierung und der Industrie eine E-Mobilitäts-Partnerschaft an, um den Standort auszubauen und auf dem Feld der E-Mobilität endlich voranzukommen. Deutschland muss Schritt halten mit den aufstrebenden Märkten, gerade in Asien.
Führen Sie konkrete Gespräche mit größeren Unternehmen oder Institutionen der E-Mobility-Branche über eine Ansiedlung in Berlin?
Alle Maßnahmen zur Förderung des Standorts werden im Steuerungskreis Industriepolitik eng mit der Wirtschaft und den Gewerkschaften abgestimmt. Ich selbst habe zahlreiche Gespräche mit Vertretern der Nationalen Plattform und Unternehmen geführt, um für den Berliner Standort zu werben und ihn voranzubringen. Das Land Berlin hat zudem zur gezielten Ansprache von Unternehmen und auch von Wissenschaftseinrichtungen die Agentur für Elektromobilität gegründet. Dort finden auch Gespräche über Ansiedlungen statt.
Berlin hat als einstiger Industriestandort massiv an Bedeutung verloren. Wird der Stadt im elektromobilen Zeitalter eine Renaissance gelingen?
Ja, das ist unser Ziel. Berlin hat einen harten Strukturwandel mit dem Verlust von tausenden Arbeitsplätzen erlebt. Aber heute sehen wir, dass dieser Strukturwandel die Berliner Industrieunternehmen international auch wieder neu wettbewerbsfähig gemacht hat. Viele Hidden Champions und Weltmarktführer haben ihren Sitz in Berlin. Das Besondere des Standorts ist die Mischung aus wissensgetriebener Produktion, exzellenter Forschung und gut ausgebildeten Fachkräften. Hier sind die Chancen der Stadt: Wir haben für die Zukunftsfelder der Wirtschaft die besten Voraussetzungen. Berlin ist der Standort für Industrien, die Zukunft haben. Gerade die Elektromobilität birgt riesige Chancen. Schon heute entwickeln viele erfolgshungrige Unternehmen – kleine und weniger kleine – in Berlin Komponenten der Elektromobilität.
Das Interview führte Henrik Mortsiefer
Aus der Ausgabe 4 / 2011
