Satter Sound
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Dieter Burmester platzt auch nach mehr als 30 Jahren noch vor Ideen für neue High-End-Audiosysteme. Foto: Thilo Rückeis |
In einem Gewerbegebiet am Bahnhof Südkreuz, eingekeilt zwischen der Berliner Nord-Süd-Achse für Züge und einer Baustelle, würde wohl niemand den besten Sound der Welt erwarten. Doch Dieter Burmester erwartet genau das, wenn er die Produkte seiner Firma einschaltet. Der 66-Jährige ist Inhaber der Burmester Audiosysteme GmbH in Schöneberg. Seit 1977 fertigt das Unternehmen High-End-Musikanlagen – und das so weit wie möglich in Handarbeit. „95 Prozent unserer zugelieferten Produkte werden zudem in Deutschland gefertigt“, erzählt Burmester.
Das Motto der Klangbaumeister – „handmade in Germany“ – hat seinen Preis: ab 15 000 Euro für eine kleine Anlage geht es los. Wer mag und kann, investiert bis zu 350 000 Euro in den Sound seines Heimkinos. Dazu kommt noch eine Luxus-Luxusvariante mit vergoldeten Fronten – etwa für Großyachten. Die Kunden schätzten vor allem den Klang, das Design und den Manufaktur-Gedanken, erklärt der Unternehmer. „Sie mögen den Preis nicht, aber sie kaufen trotzdem immer wieder.“ Dieter Burmester macht keine halben Sachen. In den Autozuliefermarkt ist er eingestiegen und hat bislang nur den Supersportwagen Bugatti Veyron und drei Porsche-Modelle akustisch zum Leben erweckt. Burmester selbst fährt jetzt einen Porsche Panamera. „Ich wollte einmal im Leben ein Auto haben, das ein gutes Soundsystem hat“, sagt er fast beiläufig.
„Das ist noch immer der größte Antrieb für mich, dass ich eine neue Anlage als Erster habe“, antwortet er auf die Frage, welches System er zu Hause habe. Immerhin: Auch die rund 50 Mitarbeiter sollen in den Burmester-Genuss kommen, mit Prototypen oder gebrauchten Geräten. Bindung sei wichtig, meint der Chef. „Für eine bestimmte Güte braucht man einen bestimmten Aufwand. Und das geht nicht ohne extrem motivierte Mitarbeiter.“
Der Aufwand ist hoch: Jedes Bauteil prüfen die Burmester Mitarbeiter penibel. Die Platinen der Geräte werden selbst entwickelt und extern gefertigt. In Berlin stecken sie Bauteile per Hand auf die Platinen. Kabel kürzen sie auch per Hand und versehen sie mit Steckern. Lautsprecher werden vorgealtert, damit sie sich beim Kunden nicht mehr verändern.
Bevor ein fertiges Produkt verschickt wird, steht eine tagelange Prüfung an. Dazu gehören 300 automatische Tests und zahlreiche Hörtests durch erfahrene Mitarbeiter. „Wir wollen, dass wir den Fehler finden und nicht der Kunde“, gibt Dieter Burmester das Ziel vor.
Audiosysteme GmbH |
Zu kaufen gibt es die edlen Anlagen bei etwa 140 Fachhändlern weltweit, davon rund 40 in Deutschland. „Am meisten werden die teureren Produktlinien verkauft“, sagt der Unternehmer. Am Anfang wollte der Musiker und Ingenieur Dieter Burmester nur einen Verstärker für sich bauen. Heraus kam der legendäre 777, benannt nach dem Entwicklungsjahr 1977. Im Jahr liefert Burmester nunmehr zwischen 1000 und 2000 Geräten aus. Nur zwei bis drei neue Produkte kommen hinzu. „Wir wollen nicht auf Teufel komm raus größer werden“, sagt Dieter Burmester. „Die Leute wollen aber Innovationen.“
Jüngst kam so zum Beispiel eine Bluetooth-Schnittstelle hinzu. Den notwendigen Platz zum Nachrüsten für verkaufte Geräte hatten die High-End-Bastler bereits vorgesehen. „Zunächst war die Technik noch nicht ausgereift genug für unsere Ansprüche“, sagt der Chef. „Wir durchdenken jedes Detail.“ Deshalb wurden im neuen Burmester-Musiccenter auch solche Displays verbaut, wie sie normalerweise in Flugzeugen verwendet werden. Grund: Man kann sie auch in zehn Jahren noch bekommen.
Bei aller Liebe komme es am Schluss aber nur auf eines an: den Sound. „Viele in der Branche verkaufen meiner Meinung nach zu sehr die Technik“, sagt Burmester. „Ich weiß, wie viel Musik uns bringen kann.“ Sie funktioniere aber nur, wenn nichts störe. „Wenn alles perfekt ist, dann vergessen Sie die Technik und die Musik kommt zu Ihnen.“
Alexander Riedel
alexander.riedel@tagesspiegel.de
Aus der Ausgabe 4 / 2012
