„Die Rolle der Banken wird überschätzt“
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Günter Faltin (63) leitet an der Freien Universität den Arbeitsbereich Entrepreneurship. Neu erschienen: sein Buch »Kopf schlägt Kapital«, Hanser Verlag , 248 Seiten. Foto: promo
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Herr Faltin, Sie haben an der Freien Universität das Gründernetzwerk „Labor für Entrepreneurship“ aufgebaut. Wie ist die Stimmung bei den Mitgliedern, wagt sich jetzt in der Finanzkrise noch jemand an eine Unternehmensgründung?
Na klar, die Krise der Banken spielt für unsere Gründer kaum eine Rolle.
Wird es nicht sehr schwer, jetzt einen Kredit für die Startfinanzierung zu bekommen?
Die Rolle der Banken wird überschätzt. Eine US-Studie hat herausgefunden, dass dort 70 Prozent der Firmengründungen ohne Bankdarlehen auskommen. Die meisten Gründer leihen sich Geld bei „Friends, Fools and Family“, wie es heißt. Also bei Freunden, Verrückten und der Familie. Bei uns sieht es nicht anders aus.
Wenn ich an Biotechnologieunternehmen denke ...
Natürlich brauchen Sie mehr Kapital, wenn Sie ein Hightech-Unternehmen aufbauen wollen, aber das betrifft weniger als 20 Prozent aller Gründungen. Unabhängig von der Finanzkrise rate ich jedem angehenden Unternehmer, sich wenn möglich nicht auf einen Bankkredit einzulassen. Denn der kann sich als Schlinge um den Hals erweisen, der das Unternehmen stranguliert.
Ganz ohne Geld geht es aber auch nicht.
Richtig, aber der Finanzbedarf wird oft falsch eingeschätzt. Sie brauchen heute, vor allem dank moderner Informations- und Kommunikationstechnologien, weniger Kapital als im Industriezeitalter. In unserem Gründerlabor gehen wir jedes Konzept genau durch und überlegen, welche Investitionen wirklich nötig sind. Sie müssen zum Beispiel nicht unbedingt eigene Lagerflächen betreiben und auch eigene Büroräume, die mitsamt Einrichtung einen hohen Kostenfaktor darstellen, können sich viele Firmen sparen.
Wie funktioniert das?
Bürofunktionen können Sie an Dienstleister wie E-büro auslagern. E-büro, das auch unser Labor durchlaufen hat, bietet zum Beispiel einen kostengünstigen Sekretariatservice, der im Namen Ihrer Firma Telefonanrufe entgegennimmt. Das ist gerade für eine Firma in der Gründungsphase vorteilhaft, die sich noch keine hohen Personalkosten erlauben kann.
Trotzdem rechnen Wirtschaftsinstitute damit, dass aus der Finanzkrise eine Wirtschaftskrise wird.
Das mag ja sein, es sollte aber einen Gründer, der weiß, was er will, nicht davon abhalten, jetzt zu starten. Vielleicht gerade jetzt, wo andere sich nicht trauen. Aber das Konzept muss kreativ sein. Wenn Sie den zehnten Friseursalon in der Straße aufmachen, werden Sie wohl auch ohne Finanzkrise zur Mehrheit der Existenzgründer gehören, die wieder aufgeben müssen.
Aus der Ausgabe 9 / 2008

