Interview

„Die Bezirke können sich verbessern“

Der Präsident der Handwerkskammer, Stephan Schwarz, über Behördenmarathon und sinnvolle Vergleiche
Stephan Schwarz ist Präsident der Berliner Handwerkskammer sowie Geschäftsführer der GRG Services Group Berlin. Foto: promo

Herr Schwarz, Berlin maximal hat die Berliner Bezirke unter die Lupe genommen. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Unternehmensstandort Reinickendorf?

Uns geht es gut hier. Wir sind auch mit dem Bezirksamt zufrieden. Zum Beispiel gab es bei unserem Neubauprojekt eine gute Zusammenarbeit. Bürgermeisterin Wanjura kümmert sich zum Teil persönlich um die Betriebe im Bezirk. Und sie hat auch dafür gesorgt, dass die Verwaltung offen für die Anliegen von Unternehmen ist.

In unserem Bezirksvergleich belegt Reinickendorf allerdings nur einen mittleren Platz.

Nun ja, die Innenstadtbezirke liegen vorn. Die haben ja auch einen natürlichen Standortvorteil. Andererseits finde ich es interessant, so viele Daten über die Bezirke in einer Übersicht zu sehen. Und es ist schon erstaunlich, wie unterschiedlich die Bezirke zum Beispiel auf Anfragen reagieren. Es ist nicht akzeptabel, dass einige Bezirke nicht mal auf Emails antworten. Das zeigt auch, dass die Verwaltung an vielen Stellen in Berlin noch besser werden muss.

Worüber ärgern sich die Handwerksunternehmen besonders?

Dass sich Genehmigungsverfahren häufig absurd in die Länge ziehen. Das ist vor allem dann der Fall, wenn ein Vorhaben mehrere Bezirke betrifft, weil jeder Bezirk seine Verwaltung anders organisiert. Neulich gab es einen Fall von einem Betrieb, der auf der Grenze zwischen zwei Bezirken gebaut hat. Es war ein irrer Behördenmarathon, weil der Ablauf der Genehmigungsverfahren in beiden Stadtteilen ein ganz anderer war. Unternehmer haben keine Zeit, sich mit der Binnenstruktur der Bezirke zu beschäftigen.
 
Senator Harald Wolf will jetzt Mitarbeiter der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Berlin Partner in die Bezirke entsenden. Ein guter Vorschlag?

Es ist gut, wenn es einen Ansprechpartner gibt, der auch verschiedene Behörden an einen Tisch rufen kann. Vielleicht können diese Mitarbeiter auch zu einer Angleichung der Standards beitragen. Andererseits darf es nicht dazu führen, dass sich die Bezirke aus der Verantwortung stehlen. Sie sind zuständig für die Abwicklung der Verfahren. Da ist Engagement gefragt. Ihr Test zeigt ja, dass das unterschiedlich stark ausgeprägt ist.

Also macht so ein Vergleich Sinn?

Wenn Sie den Test wiederholen schon. Dann können sich die Bezirke, die nicht gut abgeschnitten haben, verbessern. Von einem Wettbewerb um den wirtschaftsfreundlichsten Bezirk kann die Stadt nur profitieren.

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