Schaut her

Die Messe Bread & Butter ist zurück. Mit ihr hofft die ganze Stadt auf die Geschäfte mit der Welt der Mode

Die Modemesse Bread & Butter hat in diesem Jahr Flugtickets an ihre Gäste verschickt. Mit denen können die erwarteten 80 000 Besucher ab dem ersten Juli auf dem Flughafen Tempelhof einchecken. In der ehemaligen Abfertigungshalle und über acht Hangars verteilt, werden 550 Aussteller ihre Kleider präsentieren. Sie locken damit ein Fachpublikum an, auf das sich nicht nur die Organisatoren der Messe freuen.

In den ersten vier Tagen im Juli wird sich in Berlin alles um die Mode drehen. Denn dann findet nicht nur zum ersten Mal die Bread & Butter wieder hier statt. 2006 war die Messe für Jeans, Sports- und Streetwear nach Barcelona umgezogen und hatte damit einen Aufschrei ausgelöst. Denn mitgenommen hat sie das internationale Publikum, das so wichtig ist, wenn man als Modestandort für Designer attraktiv sein will.

Mit der Bread & Butter, so die Hoffnung, rückt Berlin wieder ins Zentrum der Modewelt. Und von dieser Aufmerksamkeit wollen auch andere Aussteller profitieren. In einem weißen Zelt am Bebelplatz werden mehr als 30  Designer ihre Kollektionen auf dem Laufsteg der Fashion Week zeigen. Die Fashion Week, die sonst zwei Wochen später stattfand, hat sich jetzt dem Zugpferd Bread & Butter angeschlossen, weil dessen Chef Karl-Heinz Müller die Modesaison eröffnen wollte. Dazu kommen weitere Messen wie die Premium, eine Messe für Konfektionsmode, im Postgüterbahnhof am Gleisdreieck und  mehre kleine Veranstaltungen. Von Avantgardedesign über Unterwäsche bis hin zu Ökomode ist dort alles zu sehen, was man anziehen kann.

Auf manche Designer wird man bei dem Spektakel verzichten müssen. Und auch die Feiern werden sicher nicht so großzügig ausfallen wie bei vergangenen Messen. Die Krise hat auch die Branche hart getroffen. Trotzdem ist eines sicher: Die ganze Stadt hofft, von der Rückkehr der Bread & Butter aus Barcelona profitieren zu können. Denn in der katalanischen Hauptstadt war die Veranstaltung auf zuletzt fast 100 000 Besucher angewachsen und zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden. Der soll sie auch in Berlin sein. Für Burkhard Kieker, den Chef der Berlin Tourismus Marketing GmbH ist die Rückkehr „ein Geschenk des Himmels“. Er rechnet vor, was die Bread & Butter der Stadt an Mehreinnahmen bringen soll: Bei 80 000 Besuchern, die im Schnitt 1,6 Tage bleiben und jeweils 241 Euro pro Tag ausgeben, bringt das der Stadt pro Tag 20 Millionen Euro.

Welche Wirtschaftskraft eine Modemesse entfalten kann, das zeigt die Mercedes-Benz-Fashion-Week, die Laufstegmesse, die seit Sommer 2007 in Berlin ist. Geschätzte 500 Arbeitsplätze, inklusive der beteiligten Designer, hängen direkt an der Fashion Week, und es werden noch viel mehr, wenn man alle Dienstleister hinzurechnet. Etliche Unternehmen sind in die Planung, den Aufbau, die Öffentlichkeitsarbeit im Rahmen der Fashion Week involviert, darunter Logistiker, Messebauer, Modellagenturen, Stylisten, Licht- und Tontechniker, PR-Agenturen, Druckereien, Kurierdienste, aber auch Security- und Reinigungsdienste.   

Einer von denen, die mit Mode Geld verdienen, ist Sven Krüger. Eigentlich ist die Mission von Krüger jetzt erfüllt. Er wollte den Modestandort Berlin retten, nachdem die Bread  & Butter  weggegangen war. „Ich wollte nicht, dass Berlin von der Modelandkarte sang- und klanglos verschwindet.“ Große Pläne für einen, der gerade an seinem Diplom als Textiltechniker saß. Aber da sein Thema „Der internationale Handel von Designermarken“  war, wollte er die Theorie gleich mal in die Praxis umsetzen. „Und wo kann man besser etwas ganz ohne finanziellen Hintergrund auf die Beine stellen, als in Berlin.“

Wichtig ist, dass immer etwas Neues und Überraschendes passiert

„Projektgalerie“ nannte er seine Minimodemesse. Zwölf Galerien in der Torstraße stellten ihre Räume drei Tage lang jungen Designern aus Berlin und dem Rest der Welt zur Verfügung. Die erste „Projektgalerie“ war ein Erfolg. Inzwischen hat Krüger seine Plattform auf einen einzigen Standort konzentriert. Nebenbei hat er die PR-Agentur Homage gegründet, die hauptsächlich für Kunden aus der Mode- und Galerieszene arbeitet. Jetzt denkt er schon über neue Projekte für zukünftige Jahre nach. „Wichtig ist, dass immer wieder etwas Neues und Überraschendes passiert“, sagt Krüger. Der Ostberliner findet, dass das nirgendwo so einfach geht wie in seiner Heimatstadt.

Wenn jetzt nicht die Krise dazwischenkommt. Für diesen Juli haben bei Krüger schon etliche Designer abgesagt. Die Modebranche ist stark auf Finanzierungen angewiesen. Und die sind derzeit schwer zu bekommen. Im Modegeschäft ist es schwierig, langfristig zu planen. Wenn man eine Kollektion entwirft, weiß man nie, ob am Ende auch jemand die Stücke kaufen wird. Die Stofflieferanten, die Produktion, der Vertrieb und die Anzeigen aber müssen bezahlt werden, bevor das erst Geld hereinkommt. Wenn es überhaupt kommt. „Im Moment ist die Zahlungsmoral vieler Läden ein Desaster. Da ist es gut, wenn man etwas Geld zur Seite gelegt hat, um wenigstens für die nächsten Saisons Stoffe einkaufen zu können“, sagt Sven Krüger.

Er rechnet trotzdem nicht damit, dass in Berlin viele Designer pleitegehen werden. Die wirtschaftlichen Bedingungen für junge Designer seien schon vor der Krise so angespannt gewesen, dass die meisten sich daran gewöhnt hätten, von der Hand in den Mund zu leben und sich mit Zweitjobs über Wasser zu halten. Darum bedeute die Finanzkrise für die kleinen nicht so eine Katastrophe wie für ein großes Unternehmen, das seine Umsätze machen muss, um die Strukturen aufrechtzuerhalten.
Die junge Designerin Magdalena Schaffrin lässt sich nicht beirren von der Krisenstimmung. Sie wird in diesem Juli ihre kleine Ökomesse „Green Showroom“ ins Leben rufen. Bevor man ihr Atelier  betritt, muss man durch zwei leere Räume. Im lang gestreckten Flur hängen Schilder mit der Aufschrift „Wartezimmer“, „Röntgen“, „Untersuchung“ an den Türen. Im alten Reichsbankgebäude in Neukölln war bis vor kurzem eine Frauenarztpraxis untergebracht, jetzt organisiert die Absolventin der Berliner Universität der Künste von hier aus zusammen mit Jana Keller den „Green Showroom“.

„Wir haben uns getroffen und festgestellt, dass wir beide unsere Arbeit ökologisch ausgerichtet haben. Und es keinen Ort gibt, an dem wir ausstellen können“, sagt Schaffrin. Der Ort ist gefunden: das Hotel Adlon, in das 17 Aussteller laden, unter ihnen nicht nur kleine Designermarken aus Deutschland, England und der Schweiz, sondern auch der Branchenführer Hess Natur. Das Label will die Plattform nutzen, um seinen Vorzeigedesigner, den Spanier Miguel Adrover, vorzustellen und so der manchmal biederen Kleidung einen Hauch von Weltläufigkeit zu verleihen. Berlin hat sogar noch Platz für eine zweite Ökomesse: „Thekeyto“ im Kaiserlichen Postfuhramt in Neukölln.

Auch außerhalb der geschlossenen Veranstaltungen wird es einiges zu sehen geben. Der eine oder andere wird sich in der falschen Jahreszeit wähnen, wenn er Anfang Juli in Mitte durch die Läden geht. In den Schaufenstern wird Ware ausgestellt werden, die eigentlich erst für den Herbst gedacht ist. Auch die Läden am Hackeschen Markt machen sich fein für die Fachbesucher, die erwartet werden. Denn bevor die Einkäufer auf den Messen die Waren kaufen, testen sie gerne, wie sich die Labels im Einzelhandel verkaufen. 

Am 30. Juni wird darum auch Dirk Jacoby die heruntergesetzte Sommerware ins Lager räumen, um dem Fachpublikum zu demonstrieren, dass in seinen Läden die frühe Belieferung mit neuer Ware einwandfrei funktioniert. Dirk Jacoby hat gute Laune. Die hat er eigentlich immer, wenn er in einem seiner Läden steht. Er freut sich auf die Messewoche, „es ist ein toller Termin, Berlin wird jetzt ernst genommen“. Vier Tage lang wird sich Dirk Jacoby den Mund fusselig reden, um sein Konzept zu erklären und die Ware an den Kunden zu bringen.

Der Designer gründete 1995  das Label Respectmen, mit dem er in der Neuen Schönhauser Straße residiert. Im Laden verkaufte er bald nicht nur seine eigenen Anzüge, sondern auch Männermode von Marken wie Cinque und Drykorn. Irgendwann mieten er und seine Geschäftspartnerin Karin Warburg einen weiteren Laden auf der anderen Straßenseite dazu.

Vor anderthalb Jahren dann schlugen sie dem Label Drykorn vor, einen Flagship-Store in Berlin zu führen. Damit stießen sie auf offene Ohren. Immer mehr Modemarken setzen inzwischen auf den Verkauf in eigenen Läden. Edelmarken nutzen diese Shops, in denen der Käufer nicht nur ein Kleidungsstück, sondern ein Image kauft.

Termine
| Modemessen im Juli |
» Bread and Butter

Wer stellt aus?
Die Schwergewichte der Jeans-, Sports- und Streetwearbranche wie Levi’s, G-Star, Replay, aber auch Nike, Adidas und Marken wie Dieckes und Marc’O Polo sind dabei. Die meisten Aussteller kommen aus Italien, aus Deutschland sind nur etwa 30 Marken vertreten – insgesamt sind es rund 550 Marken.

Wer kommt?
Zur letzten Veranstaltung in Barcelona kamen mehr als 80 000 Fachbesucher aus 105 Nationen. War dort der Anteil der Südeuropäer sehr hoch, werden in Berlin mehr Einkäufer aus Nordeuropa erwartet.

Wo findet sie statt?
Im Flughafen Tempelhof wird nicht nur die Abfertigungshalle zur Ausstellungsfläche auch acht Hangars stehen für Stände zur Verfügung.

» Premium

Wer stellt aus?
Es werden 950 Kollektion gezeigt. Marken wie Chacharel, Filippa K., French Connection und die Zweitlinie von Donna Karan sind dabei, ein Schwerpunkt liegt diesmal auf der Männermode.

Wer kommt?
In den vergangenen Saisons kamen vor allem Einkäufer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz – im Juli wird es wohl sehr viel internationaler zu gehen.

Wo findet sie statt?
Im ehemaligen Postgüterbahnhof am Gleisdreieck

» Mercedes Benz Fashion Week

Wer zeigt?
Von den 33 Modenschauen werden 19 von Berliner Designern bestritten. Große Marken sind Strenesse, Gant, Custo Barcelona und Boss Orange.

Wer kommt?
Die Modenschauen sind vor allem für Medienvertreter interessant. Auch weil in der ersten Reihe deutsche und internationale Stars und Sternchen platziert werden. Dieses Mal wird aber auch mit Einkäufern aus der ganzen Welt gerechnet.

Wo findet sie statt?
Die meisten Modenschauen finden im extra aufgebauten Zelt am Bebelplatz statt, Marken wie Michalsky, Boss Orange und Escada präsentieren ihre Mode an eigenen Locations.

» Green Showroom

Wer stellt aus?
Kleine Designlabel, die nach ökologischen Kriterien fertigen, wie auch der Branchenführer Hess Natur, die zum ersten Mal auf einer Messe ausstellen.

Wer kommt?
Die Veranstaltung ist vor allem für Einkäufer individuell geführter Geschäfte mit Schwerpunkt auf den Themen Ökologie und Nachhaltigkeit interessant.

Wo findet sie statt?
Im Hotel Adlon wurden für 17 Aussteller sechs Suiten angemietet.

Warburg und Jacoby führen inzwischen zwei Läden für Drykorn. Das Risiko teilt sich die Kitzinger Modefirma mit der Respectmen GmbH, die insgesamt vier Geschäfte mit 13 festangestellten Mitarbeitern in Berlin betreibt.
Auch wenn er jetzt die Kleidung anderer Designer verkauft, legt  Jacoby Wert auf die Bezeichnung „Inhabergeführte Läden“. Dies sind seine Läden, in seiner Straße, der Neuen Schönhauser Straße, die sich seit der Wende so verändert hat. „Es hat 15 Jahre gedauert, bis aus Mitte ein Eiland der Mode wurde“, sagt Jacoby. „Hier findet man keine Ketten, sondern kleine Läden voll mit Produkten, die vor einem Jahr auf der Bread & Butter ausgestellt wurden.“

Von seinem Büro in der Münzstraße aus hat Bread-&-Butter-Chef Karl-Heinz Müller  einen hervorragenden Überblick über all die neuen Läden in seiner Nachbarschaft. Er macht erst einmal sein Telefon aus – sonst wird es schwierig, in Ruhe mit ihm zu sprechen. Gerade war er in seinem Laden „14 OZ“ – nur ein paar hundert Meter entfernt. Er hat dort mit Vertretern einer Kleidermarke gesprochen. Sie haben diskutiert, ob die sehr femininen Kleider in das Sortiment von „14 OZ“ passen.
Ein wenig ist Müller ein Einzelhändler geblieben, der er war, bevor er 2001 die Bread & Butter in Köln gründete. Mit seinem neuen Geschäft will er zeigen, wie man hochwertige Jeanshosen in einem angenehmen Ambiente verkauft. Der Laden führt Müller immer wieder vor Augen, was er jetzt auch auf der Bread & Butter praktiziert: „Konzentrier dich auf das, was du gut kannst und lass den Firlefanz.“

Für die Kleidung, die Müller auf der Bread & Butter präsentiert, fällt es schwer, eine deutsche Bezeichnung zu finden. Es handelt sich um Streetwear, Sportswear und Jeans, Jeans und nochmals Jeans, also kombinierbare Kleidung, gemacht für den Alltag, nicht für den Glamourfaktor.

Vielleicht ist das der Grund, warum der Organisator der Bread & Butter behauptet, die Krise noch nicht zu spüren. „Die Labels sparen vielleicht bei den Inseraten, am Auftritt aber sparen sie nicht“, sagt Müller. Die Firmen konzen-trierten sich jetzt allerdings eher auf eine Messse – wovon Müllers Veranstaltung profitiere. Marken wie Levis, Nike, und G-Star würden dieses Jahr nur auf der Bread & Butter ausstellen, anstatt wie üblich ihr Budget zu streuen— „die Krise hat uns gut reinge-spielt“, sagt Müller.

Das zeige aber auch, wie stark Berlin als Modestadt nach wie vor sei. „Mein Gefühl ist, das hier nachhaltig etwas aufgebaut wird“.  Immer mehr Firmenzentralen und Marken, PR- und Marketingagenturen kämen hierher. „Deshalb ist es auch wichtig, dass wir hierbleiben“, sagt Müller.

Der Ausflug nach Barcelona habe sich gelohnt. „Für uns hat sich was bewegt. Jetzt können wir in Berlin und mit den Möglichkeiten, die die Stadt bietet, ganz anders arbeiten.“ Und dazu noch auf neue Gäste hoffen. Viele Südeuropäer würden nach Berlin kommen, erwartet Müller, weil sie die Messe jetzt aus Barcelona kennen.

Berlin als Modestadt habe „eine Menge Potenzial“. „Wir haben eine Sogwirkung“, sagt Müller. An Selbstbewusstsein scheint es dem Messegründer nicht zu mangeln: „Ich würde jetzt auch eine Wette abschließen, dass wir in zehn Jahren die wichtigste europäische Modestadt sind – mit Abstand.“ Zwar wird die Mode in Berlin nicht industriell gefertigt. Dafür würden sich hier eine Menge Läden ansiedeln, die sich auf Branchendienstleistungen wie Marketing, Entwicklung und Präsentation spezialisiert haben.

Das stärkste Argument für die Modehauptstadt Berlin ist aber sicherlich die kreative, junge Designerszene. Lange Jahre standen Kapuzenpullover, Turnschuhe und Denim im Fokus. Nach dem Weggang der Bread & Butter bewiesen die Messe Premium, die Veranstalter der Mercedes-Benz- Fashion-Week, die Vermarktungsagentur IMG: Wir können auch Mode. Gerade die Berliner Designer lieferten in den vergangenen zwei Jahren das Argument dafür, warum es Sinn macht, in Berlin Mode zu zeigen.

Die Rückkehr der Bread & Butter ist ein Geschenk des Himmels

Das hat auch die IMG eingesehen, die das Schaulaufen auf der Fashion Week vermarktet: Noch vor zwei Jahren wurde die Frage nach großen Namen von IMG gern mit einem „vielleicht kommt Dolce & Gabana“ beantwortet. Um den Promifaktor hochzuhalten, holten sie auch schon einmal den Amerikaner Zac Posen mit einem eher belanglosen Potpourri seiner letzten Kollektionen ins Zelt am Bebelplatz. Seitdem steigt die Zahl der hier ansässigen Designer, die von Saison zu Saison wieder dabei sind, wie Lala Berlin, Sisi Wasabi, Scherer González — oder Kaviar Gauche.

Das Designduo war im Januar zum ersten Mal bei der Fashion Week dabei und sorgte für eine kleine Sensation: Sie ließen ihre Models beinahe nackt über den Laufsteg spazieren und präsentierten dabei ausschließlich Handtaschen. In diesem Jahr wird auch Michael Sonntag dabei sein, der beim letzten Mal noch als Kandidat für den Nachwuchspreis von Peek & Cloppenburg auftrat.
Das Schaulaufen bei der Fashionweek unterscheidet sich stark von der Präsentation auf einer Fachmesse. Auf einer Modenschau geht es darum, seine Marke bekannt zu machen, dem Endverbraucher zu zeigen, wie man aussieht. Wenn der Kunde dann im Laden steht, soll er sich an die Marke erinnern, nach ihr fragen, weil er gesehen hat, wie Stars und Sternchen im Fernsehen und in Zeitschriften sie tragen. Auch dafür bietet Berlin einen perfekten Nährboden. Für die erste Reihe wird immer noch der eine oder andere Hollywoodstar für die sichere Schlagzeile eingeflogen. Und seitdem sich auch noch die gesamte deutsche Schauspielerriege von Moritz Bleibtreu über Heike Makatsch bis hin zu Thomas Kretschmann gern beim Modegucken fotografieren lässt, fällt die Identifikation gleich viel leichter.

Kilian Kerner sieht überarbeitet aus, mit dunklen Ringen unter den Augen. „Aber alles ist fertig“, sagt er stolz. Dass die Fashion Week zwei Wochen nach vorne verlegt wurde, kam Kerner nicht gelegen. In schwarzen Hüllen hängen goldfarbene Overalls aus fließendem Satin, kleine Kleider mit dem typischen länglichen Kilian-Kerner-Schlitz vorne und hinten am Ausschnitt und mit einer Ponyfellpasse, versehen mit einem ausgelaserten Blumenmuster.

„Diese Kollektion wird noch weiblicher“, sagt Kerner. Der 30-Jährige nennt sie „seine sicherste Kollektion“ und meint damit nicht nur, dass er in diesen schwierigen Zeiten auch an die Verkäuflichkeit denkt. Er sagt, er wisse jetzt einfach, wohin die stilistische Reise geht. Das hat auch schon die deutsche „Vogue“ bemerkt – die feiert ihn auf ihrem Onlineportal mit einer mehrteiligen Dokumentation als einen der hoffnungsvollsten deutschen Nachwuchsdesigner. Und machen an seinem Erfolg fest, dass aus Berlin ja doch eine richtige Modestadt geworden ist.

Kilian Kerner ist ein Autodidakt. Als er 2002 nach Berlin zog, wollte der  damals 22-Jährige noch Schauspieler werden. Bis er begann, für eine Freundin aus alten Kleidern ihre Wochenendgarderobe für die Clubs zu nähen. Davon hat er sich inzwischen meilenweit entfernt: Die Improvisation aus Jugendtagen ist einer erstaunlichen Stilsicherheit gewichen, die auch Einkäufer in den USA und Japan zu schätzen wissen. Am 3. Juli wird er seine zehnte Kollektion am Bebelplatz zeigen.

Es gibt noch eine Berufsgruppe, die sich schon auf die Bread & Butter freut: Die Taxifahrer. In einem Kommentar auf der Webseite Tagesspiegel.de vergleicht einer von ihnen die Grüne Woche mit der Bread & Butter: „Bread & Butter: 200 Euro+ Tagesumsatz ... und das im Sommer, wo absoluter Totentanz ist“. Auch Restaurants, Mietwagenanbieter oder Reinigungsfirmen werden profitieren, ist sich Tourismus-Chef Kieker sicher. „Für Berlin ist das ein Konjunkturprogramm.“

In der Stadt sind alle Veranstaltungsorte längst ausgebucht. Gerade die Hotels im Fünf-Sterne- Bereich sind über Nebenveranstaltungen wie Showrooms, Präsentationen und Cocktail-Empfänge ausgelastet. „Man wird die Wucht spüren, dass neben der Fashion Week jetzt auch die Bread & Butter wieder da ist“, sagt Kieker.

Grit Thönnissen


Aus der Ausgabe 7/8 / 2009

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