Gut vermarktet
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Wochenmarkt am Markt Karl-August-Platz Foto: Kai-Uwe Heinrich |
Wer ein bisschen Ahnung von der weiten Welt des Internet hat, weiß, dass es nicht ausreicht, einen Onlineshop ins Netz zu stellen. Man muss die Adresse bekannt machen, dafür sorgen, dass die Nutzer sie finden. Die technische Möglichkeit, das zu erreichen, nennt sich Suchmaschinenoptimierung. Es gibt aber auch einen alten, ja uralten Weg. Dazu muss man die virtuellen Sphären verlassen und einen Marktstand aufbauen.
Ylva Elebro steht hinter ihrem drei Meter langen Biertisch, auf dem bunt bedruckte Kinderhosen, Kleidchen und Lätzchen liegen. Ein schmales Bretterdach schützt sie vor Regen oder zu viel Sonne, von den Seitenwänden baumeln Strumpfhosen mit Herzchen- und Punktedekor. Nähert sich ein Besucher ihrem Stand, erklärt die Schwedin, dass die Kleidung aus ihrer Heimat stammt und ökologisch ist. Fast jeden Freitagnachmittag steht Elebro auf dem Ökomarkt am Lausitzer Platz in Kreuzberg, samstags schlägt sie ihre Bude in Friedrichshain am Boxhagener Platz auf. Zwischendurch verkauft sie ihre Kinderkleidung auch mal auf einem Markt in Neukölln oder Charlottenburg. „Auf meiner Internetseite kann man nachlesen, wo ich zu finden bin“, sagt die junge Frau.
Adresse: Berliner Postbahnhof
Wann: Zwei Mal jährlich, der nächste Termin ist am 19./20. November 2011 Kosten: ein Quadratmeter Stand kostet 75 Euro für zwei Tage. Der kleinste Stand ist drei Quadratmeter groß, so dass die Mindest-Standgebühr 225 Euro beträgt.
Web: www.heldenmarkt.de
TrendMafia – Der Designermarkt in Berlin
Richtet sich an Designer, Kreative und Grafiker
Adresse: Brunnenstraße 64
13355 Berlin
Zeit: jeden ersten Samstag und Sonntag im Monat,
13.00 bis 18.00 Uhr
Kosten: halbe leere Standfläche:
15 Euro, leere Standfläche: 28 Euro, Standfläche und ein Biertisch: 33 Euro, Standfläche und zwei Biertische:
38 Euro
Web: www.trendmafia.de
Summer.Pop.Shopping und Holy.Shit.Shopping
Adresse und Zeit: wechselnde Orte,
je zwei Tage im Sommer und vor Weihnachten
Kosten: Der kleinste Stand über drei Quadratmeter kostet 120 Euro, der größte (sechs Quadratmeter) kostet 200 Euro für beide Tage
Web: www.holyshitshopping.de
Neuköllner Stoff
Richtet sich an Designer, Kunsthandwerker, Kreative
Adresse: Maybachufer | 12047 Berlin
Zeit: samstags, 11.00 bis 17.00 Uhr
Kosten: pro laufender Meter Stand sind zwischen sechs und acht Euro fällig. Pro Bude kommen pro Tag zehn Euro hinzu.
Web: www.neukoellner-stoff.de
Elebro hat die Gesetze des Internet verstanden. Das Netz informiert, wo sie im realen Leben ihre Sachen verkauft. Und die reale Welt hilft ihr dabei, ihren Webshop bekannt zu machen. Im November 2010 hat sich Elebro mit dem Handel von Kindermode aus Skandinavien selbstständig gemacht und ihren Online-Shop lillahopp.de eröffnet. Am Anfang kostet so ein Shop viel Geld, während die Umsätze überschaubar sind. Deshalb stopft Elebro am Wochenende Shirts, Bodys und Hosen in eine große Tasche und fährt dahin, wo die Kunden sind. „Mir ist klar, dass es eine Weile dauert, bis man mit einem Internet-Shop gutes Geld verdienen kann“, sagt die 30-Jährige. „Deshalb gehe ich auf Märkte.“
Viele junge Unternehmer machen es wie sie. Ob sie selbst etwas herstellen oder, wie die Schwedin, Händlerin sind, spielt keine Rolle. Sie stellen sich stundenlang auf einen Markt, weil sie neu sind und bekannt werden wollen. Dafür sind Märkte die idealen Plätze. „Die Kunden müssen nicht zu den Produkten kommen, die Produkte kommen zu den Kunden“, sagt Rainer Perske, Inhaber der gleichnamigen Marktverwaltung. Das ermögliche Gründern, ihre Produkte an den Mann zu bringen. Leuten wie Astrid Küver zum Beispiel. Die 43-Jährige recyclet Kleidungsstücke, bedruckt sie und näht sie von Hand neu zusammen. Auf diese Weise entsteht außergewöhnliche Kinderbekleidung, jedes Stück ist ein Unikat. Küver ist mit ihrem Label laurie-d neu in der Branche, bislang hat sie nur eine Website eingerichtet. Einen Onlineshop hat sie noch nicht, geschweige denn einen Laden. Auf Märkten testet sie, wie ihre Baumwollshirts und -hosen ankommen. Natürlich will sie auch Kasse machen. Auf ihrem letzten Markt ist ihr das gelungen. „Ich bin sehr zufrieden“, sagt Küver.
„Natürlich soll am Abend der Umsatz stimmen“, sagt auch Ben Irion. In einer kleinen Siebdruck-Werkstatt in Kreuzberg bedruckt er T-Shirts und Bettwäsche, Teller und Tassen mit selbst gezeichneten Motiven oder lustigen Sprüchen. „Bockwurst ist kein Lebensstil“ steht auf einem karierten Geschirrtuch – es ist garantiert schadstofffrei und nach ethischen Standards hergestellt. Mit seiner Freundin Nicole Jäckle hat Irion vor ein paar Jahren das Label Hirschkind gegründet, wenig später hat er einen kleinen Laden am Lausitzer Platz eröffnet. Im „Supermarché – Gemischtwarenladen für Handgemachte Dinge“ verkauft er seine Sachen und ausgewählte Stücke anderer Berliner Designer.
Irion war auf vielen Märkten, er weiß, worauf man achten muss, damit sich die Teilnahme lohnt. „Wenn vom Nachbarstand Bratwurstgeruch herüberweht und die Kleidung einnebelt, ist das suboptimal“, sagt er. Deshalb baut Irion seinen Stand lieber auf Designer-Märkten auf. Auch hier gibt es Unterschiede. „Die Standmiete auf dem Heldenmarkt ist so hoch, dass sich die Teilnahme finanziell kaum auszahlt“, sagt der 41-Jährige.
Hin geht er trotzdem, weil der Markt für nachhaltigen Konsum eine gute Plattform ist, um „Werbung zu machen.“ Dort befindet sich Irion in Gesellschaft renommierter Unternehmen und Organisationen wie Greenpeace, Märkisches Landbrot oder GLS-Bank. Werbung ist ihm selbst nach Marktende noch sicher. Auf der Website des Marktes werden die Teilnehmer ein halbes Jahr lang aufgelistet. „Viele Unternehmer sagen, dass die Verlinkung ihrer Internetseite eine Menge Traffic beschert“, sagt Heldenmarkt-Pressesprecherin Saskia Dellwing.
Zeit: sonntags, 10.00 bis 16.00 Uhr
Web: www.mv-perske.de
Ökomarkt am Kollwitzplatz
Adresse: Wörther Straße
am Kollwitzplatz | 10435 Berlin
Zeit: donnerstags, 12.00 bis 19.00 Uhr
Web: www.grueneliga-berlin.de
unter Themen & Projekte | Ökomarkt
Ökomarkt am Lausitzer Platz
Adresse: Lausitzer Platz |10997 Berlin
Zeit: freitags, 12.00 bis 18.00 Uhr
Ansprechpartner: Klaus Dörr
Telefon: 030 | 394 40 73
Schillermarkt
Adresse: Ostseite des Herrfurthplatzes
12049 Berlin
Zeit: samstags, 10.00 bis 16.00 Uhr
Web: www.mv-perske.de
Auch ohne solche Effekte zahlen sich Märkte aus, findet Irion und wünscht sich mehr davon in Berlin. Deshalb kümmert er sich gerade um die Genehmigung für einen monatlichen Designmarkt auf dem Lausitzer Platz. Die Idee dazu hatte er schon länger, erste positive Erfahrungen als Marktorganisator befeuern seinen Plan. Ein paar Tage vor Weihnachten hat er in der Markthalle zwischen Eisenbahn- und Pücklerstraße ein Wochenende lang den „Handmade Supermarket“ veranstaltet. „Anfangs dachte ich, ich bekomme nicht genügend Aussteller zusammen“, sagt Irion. „Nachher musste ich eine Warteliste anfertigen.“
Die Nachfrage nach Märkten steige von Seiten der jungen Unternehmer, bestätigt Perske. Der Marktverwalter organisiert hauptsächlich klassische Wochenmärkte, am Antonplatz zum Beispiel, in der Fritz-Reuter-Allee oder am Arkonaplatz. Ende 2010 hat Perske darauf reagiert und ist mit einem neuen Markt gestartet. Seitdem können Designer und Kunsthandwerker auf dem „Neuköllner Stoff“ ihre Ware verkaufen. In den ersten Monaten waren die Einnahmen zwar bescheiden, aber das habe am nasskalten Wetter gelegen, sagt er. Im Frühling, werde es aufwärts gehen. Jetzt haben Märkte Konjunktur.
Sabine Hölper
Aus der Ausgabe 5 / 2011
