Unter 30
Engel mit Geld und gutem Rat
Erfahrung, Kontakte
und Kapital:
Business Angel
erleichtern jungen
Gründern den Start –
allerdings nicht ganz
uneigennützig
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(v. links) Hardy Menzel, Bernd Monitor, Markus Becker und Sebastian Mömich: GF und Gründer der EcoIntense GmbH in Berlin-Oberschöneweide. Herr Monitor (2. v. li.) betreut als Business-Angel die jungen Firmengründer.
Foto: Thilo Rückeis |
Auf Monitors Visitenkarte steht „Business Angel“. Er ist einer vor vier Vorständen des Business Angels Club Berlin-Brandenburg (BAC). „Ein Business Angel ist einer der rumläuft und etwas investiert: sei es Zeit, Geld oder Know-How“, definiert Monitor seine Funktion.
Der 46-Jährige hat 20 Jahre lang ein Vertriebsunternehmen in Hamburg geleitet. Vor zwei Jahren hat er sich aus dem Vorstand zurückgezogen, ist nach Berlin gezogen und Business Angel geworden.
An Becker (31), Mönnich und Menzel (beide 27) und ihr Unternehmen EcoIntense kam er über eine so genannte Screening-Veranstaltung des BAC. Einmal im Monat haben dort ausgesuchte Existenzgründer die Möglichkeit, ihre Geschäftsideen einem Kreis von bis zu 50 Business Angels vorzustellen. Die entscheiden dann oft schon vor Ort, ob sie das Projekt unterstützen wollen. Diese Unterstützung kann vielfältig aussehen. Manchmal gibt es nur einen guten Rat, manchmal steigen einzelne Business Angels als Geldgeber ein und manchmal inverstiert auch die Business-Angels-Fondsgesellschaft BBAF.
Letzteres war bei Ecointense der Fall. Kurz nach der Screening-Veranstaltung im vergangenen September trafen sich Monitor und seine Schützling zum ersten Mal. „Wir haben das Geschäftsmodell erläutert und auch eine Demo- Version unseres Produkts vorgeführt“, erinnert sich Becker. Ecointense bietet eine Software an, die das Umweltmanagement von Firmen erleichtern soll. Sie erfasst zum Beispiel den genauen Stromverbrauch oder die Abwassermenge für einzelne Abteilungen.
Das Konzept beeindruckte den Business Angel: „Ich habe ein großes Potenzial gesehen“, erklärt Monitor. „Nach dem persönlichen Gespräch habe ich gesagt: Ich mache es.“
Kurze Zeit später beteiligte sich der Fonds der Business Angels mit 50 000 Euro an EcoIntense. Hinzu kamen 500 000 Euro vom High- Tech Gründerfonds (HTGF), der vom Bundeswirtschaftsministerium und großen deutschen Konzernen getragen wird sowie weitere 200 000 Euro als stille Beteiligung der Investitionsbank Berlin (IBB).
Doch das Geld muss bei Business Angels nicht im Vordergrund stehen. „Die Betreuung ist entscheidend“, sagt Sebastian Mönnich, einer der drei Gründer von EcoIntense. „Business Angels können jungen Unternehmern mit ihrer Erfahrung zu Seite stehen.“ Dabei kommt es auch darauf an, ob Gründer und Business Angel persönlich miteinander klar kommen. „Es muss passen — auch von uns aus“, sagt Markus Becker.
Er und seine Kollegen sind über einen Berater an den Business Angels Club gekommen. So etwas komme häufig vor, erklärt Bernd Monitor. Die Berater helfen bei den ersten Schritten wie der Erstellung eines Businessplans und vermittelten ihre Schützlinge dann an den BAC.
Dennoch sind nicht alle Business Angels der Region im Club vertreten. Es gibt auch welche, die alleine agieren. Die bekanntesten sind wohl die Samwer-Brüder. Erfahrung, Kontakte und Kapital: Business Angel erleichtern jungen Gründern den Start – allerdings nicht ganz uneigennützig Oliver, Marc und Alexander haben mit dem von ihnen gegründeten Klingeltonanbieter Jamba ein kleines Vermögen gemacht und suchen nun nach Möglichkeiten, das Geld über ihren Fond European Founders in junge Startup- Firmen zu investieren. Auch der erst 30-jährige Lukasz Gadowski, Gründer des Hemdenbedruckers Spreadshirt, ist in der Szene als fleißiger Business Angel bekannt.
Als wichtigste Anlaufstation in der Hauptstadt gilt dennoch der Business Angels Club. „Der BAC ist ein großes Netzwerk in dem gleich mehrere Ansprechpartner zur Verfügung stehen“, erklärt EcoIntense-Gründer Mönnich. Auch Suk-Hyon Paek lobt die Vielfalt im Club. „Wenn man einmal sein Projekt bei einem Screening vorgestellt hat, bekommt man Ratschläge aus ganz verschiedenen Richtungen“, sagt die Geschäftsführerin des Start-up- Unternehmens Qiro. „Jeder der Business Angels bringt sein eigenes Netzwerk mit.“ Zudem sei es hilfrich sich mit Leuten zu unterhalten, „die schon ein paar Start-ups gesehen haben und die typischen Fehler kennen.“
Die gebürtige Koreanerin Paek war erst vor wenigen Wochen beim Screening. „Ich habe alles präsentiert, dann wurde ich rausgeschickt“, erinnert sie sich. „Am Ende haben sie mir mitgeteilt, dass der Fonds uns unterstützt.“
Es ist bereits die zweite Finanzierung für das junge Unternehmen, das Informationsdienstleistungen über das Handy und das Internet anbietet. Bereits im vergangenen Jahr beteiligten sich zwei Business Angels. Einer von ihnen ist Bernhard Böhm, einer der Gründer des BAC Berlin. „Damals musste alles sehr schnell gehen“, erzählt Böhm. Ein Berater hatte ihn angesprochen und gefragt, ob er nicht investieren wolle. Für ein Screening sei keine Zeit mehr gewesen. „Wir haben uns das angeschaut und gesagt; Da gehen wir rein.“
Mittlerweile ist Böhm auch Co- Geschäftsführer von Qiro und hilft aktiv beim Aufbau des Unternehmens mit – für eine begrenzte Zeit, wie er sagt. Auch bei der zweiten Finanzierungsrunde waren Böhm und sein Partner wieder dabei und erhöhten ihre Beteiligung — genau so wie die anderen Investoren: der High-Tech-Gründerfonds und die IBB. „Da kann schon eine Hebelwirkung entstehen“, sagt Böhm. „Wenn Investoren sehen, dass da Private mit eigenem Geld reingehen, schafft das Vertrauen.“
Den 58-Jährigen faszinieren an seiner Tätigkeit als Business Angel vor allem die neuen Impulse — durch die gemeinsamen Treffen mit anderen Angels, aber auch mit den Gründern. „Ich bekomme ständig neue Einblicke“, sagt er. „Auch ich kann von den jungen Gründern noch etwas lernen.“ Ganz uneigennützig sei das Engagement auch finanziell nicht. „Ich hoffe natürlich, dass ich mit Qiro auch Geld verdienen kann“, sagt er. Zum Beipsiel wenn er seinen Anteil irgendwann wieder verkaufe.
Das Unternehmen setzt auf den Trend der so genannten Social Networks. „Ich schalte mein Handy an und sehe auf dem Stadtplan wo ich bin und wo meine Freunde sind“, erklärt Geschäftsführerin Paek. Zudem finde man Restaurants, Hotels sowie Kinos mit zugehörigem Kinoprogramm.
Paek lobt die Vorzüge von Business Angels gegenüber klassischen Risikokapitalgebern (Venture Capital), die nur Geld, aber wenig Rat zur Verfügung stellen. „Wir haben auch mit Risikokapitalgebern gesprochen. Aber die haben einfach andere Erwartungen und wollen ein Vielfaches ihres Einsatzes rausholen“, sagt sie. Zudem liefen die Entscheidungen bei Business Angels schneller. „Wenn sie überzeugt sind, sagen sie sofort Ja.“
Wer vom BAC gefördert werden will, muss sich bewerben. „Rund 500 Anfragen gibt es pro Jahr“, sagt Monitor. Etwa 120 Bewerber schicken ihre Business-Pläne ein, 30 davon werden zum Screening eingeladen. „Am Ende gibt es vielleicht vier bis fünf Beteiligungen“, sagt Monitor. Wichtig sei dabei auch die passende Einstellung. „Wer glaubt, er wüsste schon alles und bräuchte nur noch Geld, ist bei uns sicher falsch.“ Stefan Kaiser
Aus der Ausgabe 6 / 2008
