Unter uns

Ganz am Anfang haben die meisten dieselben Fragen und Interessen. Darum gibt es spezielle Netzwerke für Jungunternehmer.
Netzwerker: Markus Manz, Ivonne Reiland, Matthäus Kozakowski, Beate Westphal, Sven Fietkau, Silke Peters (v.l.n.r.) Montage:Jessica Mittag, Foto: PROMO
Bald nachdem sich Nicole Müller Anfang des Jahres als Berufsberaterin selbstständig gemacht hatte, erkannte sie, dass „Kontakte knüpfen zu den wichtigsten Dingen gehört, die man als junge Unternehmerin machen muss.“

Sie machte sich auf die Suche nach einem guten Netzwerk. Durch einen Tipp von Freunden landete sie schließlich im Gründercafé, einer Internet-Community, die sich monatlich auch offline zum Gründerdienstag trifft. „Da habe ich andere Unternehmensgründer kennengelernt und schon viele hilfreiche Ratschläge bekommen.“ Wer in derselben Situation steckt oder die ersten Hürden der Selbstständigkeit gerade hinter sich gebracht hat, ist eben ein guter Anprechpartner für andere Neuunternehmer. Ergänzt wird der Austausch im Gründercafé durch gestandene Geschäftsleute, die den Gründern beratend zur Seite stehen. Auch für den Aufbau eines Kundenstamms ist netzwerken wichtig, denn „jemand, der einen persönlichen Eindruck von mir und dem hat, was ich verkaufen will, erzählt das weiter“, sagt Beate Westphal, Vorstandsmitglied des Gründercafés.
Netzwerken ist besonders wichtig für Jungunternehmer und Existenzgründer, die ganz am Anfang stehen. Die Landschaft der Verbände und Netzwerke ist vielfältig, da ist es schwer, das richtige zu finden.

Ramona Bhandal hat das Netzwerk Starthilfe Berlin geholfen. „Als das Netzwerkbüro damals in meiner Straße eröffnet wurde, habe ich die Leute dort einfach angesprochen“, erzählt die Modedesignerin aus Friedrichshain. Kurze Zeit später fand sie sich bei der dort kostenlos angebotenen Existenzgründerberatung wieder. Danach helfen sich die Mitglieder gegenseitig, „der Web-Designer unter uns hat meine Internetseite erstellt“, sagt sie – natürlich zu einem guten Preis.
Wer sich als junger Unternehmer von seinem Netzwerk Unterstützung und Training erhofft, ist vielleicht auch beim Business-plan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg richtig. Die Existenzgründer durchlaufen ein achtmonatiges Programm, in dieser Zeit können sie kostenlose oder vergünstigte Seminare belegen, werden intensiv betreut und können nebenbei netzwerken, denn das sei „existenziell wichtig“, sagt Projektleiter Ben Kühl. „Man schafft es nicht alleine ohne Coaching und Feedback.“

Auch wenn viele Netzwerkgruppen Unterstützung in unternehmerischen Fragen bieten: Oft sind Jungunternehmer enttäuscht, wenn sie mehr erwarten als geschäftliche Kontakte und Gespräche mit erfahrenen Kollegen. „Ich muss mir vorher überlegen, was ich mit dem Netzwerk erreichen möchte“, rät Sven Fietkau von BJU — Die Jungen Unternehmer, einer branchenübergreifenden Interessenvertretung für junge Familien- und Eigentümerunternehmer bis 40. Fietkau kam 2004 als Jungunternehmer zu dem Verband, der ihn nicht nur wegen des Netzwerkgedankens reizte: „Die Mitgliedschaft beim BJU war für mich der Weg, mich mit wirtschaftspolitischen Themen zu beschäftigen, ohne in eine Partei eintreten zu müssen.“ Dass sich die Verbandsnetzwerke auch politisch einsetzen, ist ihm sehr wichtig: „Kleine und mittlere Unternehmen brauchen ein Sprachrohr.“

Auch für PR-Berater Marcus Manz stand bei der Netzwerksuche nicht nur das Kontakten im Vordergrund: „Für mich war wichtig, dass das Netzwerken gepaart ist mit politischem und ehrenamtlichem Engagement.“ Mit den Wirtschaftsjunioren, einem der größten Verbände für junge Unternehmer mit Ablegern auf der ganzen Welt, hat er die für sich optimale Mischung gefunden. Die unabhängige Interessengemeinschaft befasst sich auch mit wirtschafts- und bildungspolitischen Themen. Manz ist heute nicht nur eines von 200 Mitgliedern, sondern auch Vorstandssprecher der Berliner Regionalgruppe. Er wolle zwar gute Kontakte, für ihn sei es aber auch wichtig, Dinge in der Gesellschaft voranzutreiben.

Auch Ivonne Reiland engagiert sich bei den Berliner Wirtschaftsjunioren. Die Unternehmerin vertreibt Biolebensmittel und ist seit 2005 dabei. Vorher war sie schon in brancheninternen Netzwerken aktiv, „aber ich wollte mal was anderes hören, denn irgendwann beginnt man, sich im Kreis zu drehen“.

Für Marcel Zierenberg ist der Kontakt zu Leuten aus der eigenen Branche wichtiger. „Das ist professioneller und man kommt schneller vorwärts“, sagt der Stadtführer, der seit zwei Jahren selbstständig ist. Mitglied in einem Netzwerk ist er trotzdem nicht, dafür fehlt ihm die Zeit. Beate Westphal vom Gründercafé rät, sich diese Zeit zu nehmen: „Wenn ich kein Hobby habe, sollte Netzwerken eines sein.“

Jungunternehmer Matthäus Kozakowski möchte sich gerne die Zeit nehmen, hat aber bisher nicht das richtige Netzwerk für sich entdeckt. „Ich war auf allen möglichen Treffen, doch viele Leute gehen dorthin, weil sie was verkaufen möchten“, sagt er frustriert. Enttäuscht sei er vor allem von Onlineplattformen wie dem Netzwerk Xing. „Bei Xing vernetzen sich auch Leute, die einfach nur Aufträge wollen“, sagt die Unternehmensberaterin Sabine Weigel. Um dies vermeiden, rät sie, sich über die in Berlin ansässigen Gruppen zu informieren. Etwa über www.Berliner-Netzwerkführer.de, die Seite mache „einen guten Eindruck, da wurde gründlich recherchiert.“
Tina-Marlu Kramhöller

» In unserer Mai-Ausgabe hatten wir bereits groß über Netzwerke berichtet. Viele Leser haben sich bei uns gemeldet und sich mehr Informationen zu dem Thema gewünscht. In loser Reihenfolge werden wir darum ab jetzt Netzwerke für unterschiedliche Interessen vorstellen.


| Adressen |
BJU – Die Jungen Unternehmer
Adresse: Charlottenstraße 24,
10117 Berlin
Telefon: 030 / 300 65-0
Web: www.bju.de

Wirtschaftsjunioren Berlin
Adresse: Fasanenstr. 85,
10623 Berlin
Telefon: 030 / 315 10-340
Web: www.wjb.de

BPW – Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg
Adresse: Bundesallee 210,
10719 Berlin
Telefon: 030 / 21 25-21 21
Web: www.b-p-w.de

Gründercafé
Adresse: Oranienburger Straße 27,
10117 Berlin
E-Mail: beate.westphal@gruendercafe.de
Web: www.gruendercafe.de

Starthilfe Berlin
Adresse: Corinthstraße 50,
10245 Berlin
Telefon: 030 / 81 00 14 82
Web: www.starthilfeberlin.de

Handwerksjunioren
Adresse: Mohrenstraße 20–21,
10117 Berlin
Telefon: 030 / 20 61 92 30
Web: www.handwerksjunioren.de

Verband der Software-, Informations- und Kommunikationsindustrie in Berlin und Brandenburg
Adresse: Am Borsigturm 48,
13507 Berlin
Telefon: 030 / 726 13 23-0
Web: www.itstarts.de
 
Lesen Sie zu diesem Thema auch:,,Gute Stimmung ist wichtig" - Interview mit der Trainerin für öffentliches Auftreten, Anna Löw: berlin-maximal.de//magazin/unter-30/art102,301 


Aus der Ausgabe 7 / 2008
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