Hat jemand hier ne Idee für mich?
Junge Berliner, die ein Unternehmen gründen wollen, gibt es viele. Aber was tun, wenn einem die zündende Geschäftsidee fehlt?
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Jung, gut ausgebildet, bereit zum Anpacken: Aber wohin mit dem Tatendrang? Foto: PROMO |
Gerhard Raetz vom Innovationszentrum in Berlin-Adlershof hält das für einen Einzelfall. Meistens setzten die Leute, denen das Patent gehört, es selbst um oder verkauften es an größere Unternehmen. „Einem Gründer, der eine Idee übernimmt, fehlt die emotionale Bindung“, gibt Raetz zu bedenken. Unter den 300 Unternehmensgründungen, die er in den letzten 17 Jahren begleitet hat, sei kein ähnlicher Fall gewesen. „Wenn es so offensichtlich ist, dass etwas verwertbar ist, macht man das selbst“, ist sich Raetz sicher.
Er schließt aber nicht aus, dass es über den Bekanntenkreis zu solchen Kooperationen kommen kann. Da könne eine emotionale Bindung durchaus entstehen. Wo macht man sich auf die Suche nach einer Idee, wenn es gerade mal keinen Bekannten gibt, der eine Erfindung gemacht hat? Einfach mal bei den Unis nachfragen, ob die eine vielversprechende Erfindung in petto haben? So einfach ist es leider nicht.
Ein Startpunkt sind zwar die Internet-Seiten von „IPAL“ und „Brainshell“: IPAL vermarktet die Erfindungen der Berliner Hochschulen, Brainshell tut das gleiche für Brandenburg. Hier findet man so vielversprechende Produktideen wie „Mikrofräser mit verbesserter Werkzeuggeometrie“ oder eine „Vorrichtung zur automatisierten Erstellung von Knoten“.
Allerdings haben es Anfänger ohne praktisch-technische Erfahrung schwer: Die IPAL sucht für die Patente meist Unternehmen, die in dem Bereich schon aktiv sind. Denn technische Erfindungen sind eine sensible Sache: Schließlich geht es um geistiges Eigentum, das vor „Ideen-Diebstahl“ geschützt werden muss. Zudem sollte der Jung-Unternehmer bedenken: Erwirbt er eine Lizenz für ein Patent, kommen immense Kosten auf ihn zu.
Also weiter: Vielleicht hat die Agentur für Arbeit Geschäftsideen im Angebot? Sprecherin Frauke Wille verneint: „Da sind wir nicht die richtigen Ansprechpartner.“ Ihre Berater könnten bei der Orientierung helfen, für Uni-Abgänger gibt es sogar spezielle Teams. „Aber der Mensch sollte schon wissen, was er tun will“, so Wille. Sie verweist auf Industrie- und Handelskammer (IHK) oder Existenzgründer-Inititativen: „Ideen entstehen im Austausch mit anderen Unternehmern.“
Existenzgründer-Initiativen — davon gibt es in Berlin eine Menge: Neben dem Existenzgründerinstitut und der IHK können sich speziell Frauen bei der Gründerinnenzentrale beraten lassen und Kontakte knüpfen. Aber diese Initiativen haben eines gemeinsam: Wer dorthin geht, sollte schon eine Idee im Gepäck haben. „Irgendwo hingehen und sich eine Idee abholen — so geht das nicht“, meint Sven Ripsas, Vorsitzender des Existenzgründer-Instituts und Direktor des Institute of Management Berlin.
Eine der wichtigsten unternehmerischen Eigenschaften sei „Passion“, also Leidenschaft. Die meisten erfolgreichen Unternehmer seien getrieben von der Überzeugung, dass sie das bessere Produkt haben, meint Ripsas. Und das sei nötig, „damit man die Rückschläge übersteht.“ Jungen Unternehmern ohne Idee rät er: „Augen auf, Eindrücke sammeln und herausfinden, welcher Bereich dich begeistert.“ Technologiefreaks würden zum Beispiel ein paar tausend Euro zusammenkratzen und drei Monate nach Kalifornien gehen. „Von da kommen sie mit einem ganzen Haufen guter Ideen zurück.“
Wer nicht so weit fahren will, kann sich in Berliner Netzwerken auf Inspirations-Suche machen. Ripsas empfiehlt den „Gründer-Dienstag“ des Existenzgründer-Institutes, wo sich einmal im Monat 50 Berater, erfahrene Unternehmer und Gründer treffen, um Kontakte zu knüpfen und Erfahrungen auszutauschen. Auch der „Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg“ sei eine gute Kontaktbörse, so Ripsas: „Dort kann man jemanden mit einer guten Geschäftsidee treffen, der noch fähige Mitstreiter sucht.“
„Fähige Mitstreiter“ sucht auch Oliver Beste: Gerade erst hat der erfolgreiche Unternehmer „Founders Link“ initiiert, das heißt „Gründer-Verknüpfung“. Beste sucht Ideen, aber auch junge Unternehmer ohne Idee, dafür aber mit viel Energie und dem Willen, ein Unternehmen zu gründen. Aus den Jung-Unternehmern macht er Teams, gibt ihnen eine Geschäftsidee, Geld und die Erfahrung, die er und seine Mitstreiter selbst gesammelt haben. Ein Beispiel: Für eine Online-Idee hat Beste Gründer aus Madrid, München und Berlin zusammengebracht. Der eine hat jahrelang Erfahrungen bei Ebay gesammelt, ein anderer hat schon ein Unternehmen aufgebaut, der dritte war Telekommunikations-Ingenieur in Spanien. „Sie alle vereint ihre unternehmerische Leidenschaft“, sagt Beste. Deshalb hat er ihnen eine Idee und Geld gegeben.
Drei Dinge, so Beste, brauche man für ein erfolgreiches Unternehmen: „Eine sehr gute Idee, sehr gutes Talent und eine finanzielle Ausstattung.“ Hinter Founders Link steht der Gedanke, dass nicht immer alles in einer Person zusammenfallen muss. Und woher hat er die Ideen? „Wir suchen im Ausland nach Erfolgsmodellen: Wer schneidet gut ab bei Innovations-Wettbewerben? Was wächst im Internet schnell?“
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Wettbewerb für Firmengründer
Unternehmen, die nicht älter als fünf Jahre sind, sollten sich jetzt für den Preis „GründerChampions 2008“ bewerben, der von der KfW-Mittelstansbank ausgeschrieben wird. Pro Bundesland wird ein Unternehmen ausgezeichnet, die Gewinner treffen sich am 26. Juni 2008 auf der großen Eröffnungsveranstaltung der Deutschen Gründer- und Unternehmertage deGUT in Berlin und präsentieren ihre Unternehmen auf der Messe. Wer bis zum 30. Mai sein Kurzporträt einsendet, hat Chancen auf Geldprämien, kostenfreie PR und einen Audi A3. Bewerbungsunterlagen gibt es telefonisch unter: 030 / 39 88 65 77 Oder zum Downloaden: www.kfw-mittelstandsbank.de
Wichtige Links für Ideensucher
Businessplan-WettbewerbBerlin-Brandenburg: www.b-p-w.de
www.brainshell.de
www.existenzgruender-institut.de
www.founderslink.com
www.gruendercafe.de
www.gruenderinnenzentrale.de
www.ipal.de
Aus der Ausgabe 4 / 2008
