Starthilfe für junge Gründer
Erstmals selbstständig? Da ist gute Beratung wichtig. Einen Überblick verschaffen die Gründer- und Unternehmertage
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Steffanie Muth, Geschäftsführerin von LS-Motor, die mit Kfz.-Ersatzteilen handelt;fotografiert mit Auspuffanlage in ihrer Lagerhalle in Potsdam.
Foto: Thilo Rückeis |
Kein Problem: In Berlin und Brandenburg gibt es jede Menge Beratungsangebote für künftige Firmenchefs. Ende Juni etwa finden die Deutschen Gründer- und Unternehmertage (DeGUT) statt, die schon vielen Selbstständigen Starthilfe gegeben haben. Anderswo machen Gründer aber auch schlechte Erfahrungen mit Beratern.
Fernando Fonseca zum Beispiel, der Anfang Mai seinen Laden „Männergift“ eröffnet hat. In der Schönhauser Allee 66/67 bietet er originelle Geschenkideen für Männer, von der Designer-Kaffeemaschine bis zu Wellnessprodukten. „Ich habe einen Existenzgründerzuschuss beantragt und wurde daher von der Arbeitsagentur zu einem Gründerkurs geschickt“, erzählt Fonseca. „Der hat mir gar nichts gebracht.“ Der Referent habe lediglich über seine eigenen Erfahrungen mit einem offenbar gescheiterten Unternehmen gesprochen. „Er hat kein Wort darüber verloren, wie man einen Kredit beantragt oder einen Businessplan schreibt“, kritisiert der Gründer. „Zum Glück konnte ich mich von Freunden und Bekannten beraten lassen, die selber schon Unternehmen gegründet haben, sonst hätte ich es schwer gehabt.“
Angehende Gründer sollten sich also nicht auf den erstbesten Berater verlassen. Guter Startpunkt für die Suche nach dem richtigen Partner sind die traditionsreichen Deutschen Gründer- und Unternehmertage, die dieses Jahr bereits zum 24. Mal stattfinden. „Die Messe bildet das ganze Gründergeschehen in der Region ab, bei uns finden Sie Fachleute aus allen Bereichen, von der Finanzierung über den Steuerberater bis zum Marketing“, sagt Andreas Bißendorf, Abteilungsleiter bei der Investitionsbank Berlin (IBB). Gemeinsam mit der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) veranstaltet die IBB erstmals die Gründertage, bisher wurden sie von den Ländern selbst organisiert. „Wir haben uns vorgenommen, frischen Wind in die Gründertage zu bringen“, sagt Bißendorf. So ziehen die Gründertage vom Messegelände in den ehemaligen Berliner Postbahnhof in der Nähe des Potsdamer Platzes. Als „The Station“ hat die Halle bereits der Modemesse „Premium“ einen ungewöhnlichen Rahmen verliehen. Die Hallen mit Industriecharakter sollen eine kreative Gründeratmosphäre schaffen.
Im vergangenen Jahr kamen 200 Aussteller: von Banken über Versicherer bis zu Zeitarbeitsfirmen. 8000 Besucher nutzten 2007 die DeGUT. Dieses Jahr soll ihnen noch mehr Beratung geboten werden: Die Zahl der angebotenen Seminare wird auf 70 verdoppelt. Auf der DeGUT werden auch die Gründerchampions aus allen Bundesländern geehrt, eine begehrte Auszeichnung für gute Unternehmenskonzepte.
Die damals 24-jährige Steffanie Muth, die einen Online-Versandhandel für Autoteile aufgebaut hat, wurde 2007 als Brandenburger Gründerchampion geehrt. „Unserer Firma hat das sehr viel Aufmerksamkeit beschert. Dadurch sind Hersteller auf uns zugekommen, die uns vorher noch nicht beliefert haben“, sagt die Geschäftsführerin der Potsdamer Firma LS Motor. Die Geschäfte laufen gut, binnen Jahresfrist stieg die Zahl der Mitarbeiter von elf auf 16. „Ich kann Gründern nur empfehlen, zur DeGUT zu gehen. Man findet sämtliche Leute, die man braucht, auf einer Stelle“, sagt die Jungunternehmerin. „Wenn ich früher von der Messe gewusst hätte, wäre die Anfangszeit mit der Firma vielleicht leichter gewesen. Ich habe mir alles selbst aneignen müssen.“
Für viele Besucher der DeGUT, die ernsthaft am Aufbau eines Unternehmens interessiert sind, folgt auf den Besuch der Messe die Teilnahme am Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg, der ebenfalls von den Investitionsbanken mitgetragen wird. Das Programm, das mehrere Stufen umfasst und über ein ganzes Jahr läuft, ist nicht nur ein Wettbewerb um das beste Unternehmenskonzept. Die Gründer werden bei der Entwicklung des Planes unterstützt, können daneben aber noch viele andere Beratungsangebote nutzen, von der Finanzierungsberatung über Managementkurse bis zu Spezialthemen wie Vertrieb und Marketing. Volker Gersabeck hat mit seinen zwei Partnern – wie er Mitte 20 – das Softwareunternehmen RapidRabb.it gegründet. Die Firma entwickelt ein Programm zur Erstellung von Software-Prototypen, die schon in einem frühen Stadium auf ihre Benutzerfreundlichkeit hin überprüft werden können. Zur Vorbereitung auf die Gründung nahmen die Absolventen des Potsdamer Hasso-Plattner-Instituts am Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg teil.
„Für uns war das Seminar über Markenrecht besonders interessant, weil wir vorher nicht darüber nachgedacht hatten, wie wir unsere Marke schützen können“, berichtet Gersabeck. „Das hätte uns später Probleme bereiten können.“ Er und seine Partner haben in der zweiten Stufe des aktuellen Businessplan-Wettbewerbs den ersten Platz in der Kategorie Technologieunternehmen belegt. „Einer der Juroren ist sogar auf uns zugekommen, um uns eine Finanzierung anzubieten“, sagt der 25-Jährige.“
Alexander Visser
| Adressen |
DeGUT – Deutsche Gründer- und Unternehmertage
Termin: 27. und 28. Juni 2008
Adresse: Station-Berlin,
Luckenwalder Straße 4/6,
10963 Berlin
Eintrittspreise: Tagesticket 15 Euro,
Onlineticket 10 Euro
Web: www.degut.de
Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg
Telefon: 030 / 21 25 21 21
Web: www.b-p-w.de
Termin: 27. und 28. Juni 2008
Adresse: Station-Berlin,
Luckenwalder Straße 4/6,
10963 Berlin
Eintrittspreise: Tagesticket 15 Euro,
Onlineticket 10 Euro
Web: www.degut.de
Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg
Telefon: 030 / 21 25 21 21
Web: www.b-p-w.de
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www.berlin-maximal.de/magazin/unter-30/art102,383
Aus der Ausgabe 5 / 2008
