Frauen
Weniger Geld für gleiche Leistung
Unternehmerinnen gönnen sich meist weniger Gehalt als selbstständige
Männer. Für Frauen ist Geld eben nicht alles.
|
Noblesse nicht nötig: Unternehmerin Gabi Grützner legt wenig Wert auf Statussymbole. Foto: Kitty Kleist-Heinrich |
Von benachteiligten Frauen in der Arbeitswelt ist in letzter Zeit wieder häufig die Rede, im April diesen Jahres veranstaltete das Frauen-Berufsnetzwerk „Business and Professional Women Germany e.V.“ den ersten deutschen „Equal Pay Day“ in Berlin. Erklärtes Ziel der Veranstaltung war, die „Gehaltskluft“ zu überwinden. Die Diskussionen in der Öffentlichkeit beziehen sich fast ausschließlich auf angestellte Frauen. Aus zahlreichen Studien ist bekannt, dass sie bei gleicher Arbeit ein um rund 20 Prozent geringeres Gehalt beziehen als ihre männlichen Kollegen.
„Das Nettoeinkommen von Frauen ist deutlich niedriger als das von Männern“
Aber auch Unternehmerinnen und Freiberuflerinnen verdienen schlechter als Männer. „Das Nettoeinkommen von Frauen ist deutlich niedriger als das von Männern“, sagt Claudia Gather. Zu diesem Ergebnis kommt die Professorin an der Berliner Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (FHTW) in ihrer aktuellen Studie „Selbstständige Frauen in Berlin“. Aber warum verdienen weibliche Selbstständige weniger als männliche, wo sie doch keinen Chef haben, der ihnen die Gehaltserhöhung verwehrt? Claudia Gather verweist auf ihre Untersuchung: „Der Grund ist, dass Frauen eher kleine Betriebe führen, die geringere Umsätze und weniger Wachstum als Männerbetrieb aufweisen“, so die Professorin. So liege der Schwerpunkt der Berliner Unternehmerinnen bei den Dienstleistungen. „Doch gerade diese sind im Durchschnitt gewinnschwach“, sagt Gather. Dabei sind Frauen nicht nur in den klassischen Frauen-Dienstleistungsberufen Friseurin oder Kosmetikerin aktiv. „Aber sie besetzen oft genau die Branchen, in denen sich Männer nur selten selbstständig machen“, so die Sprecherin des Verbandes deutscher Unternehmerinnen (VdU) in Berlin.
Maßschuhmacherin Kirsten Hennemann kann das für ihre Branche bestätigen. Früher war der Berufszweig eine Männerdomäne, heute aber würden sich fast nur noch Frauen als Schuhmacher niederlassen. „Den Herren ist die Selbstständigkeit als Schuhmacher nicht attraktiv genug“, glaubt sie. „Das große Geld verdient man damit nämlich nicht.“ Frauen sei der finanzielle Aspekt nicht so wichtig, sagt die Inhaberin des Maßschuhateliers in Mitte. „Ich freue mich, wenn die Schuhe schön geworden sind und sie meinen Kunden gefallen.“ Trotzdem hätte sie nichts dagegen, wenn mehr Geld in die Kasse käme. „Aber wir Frauen sind nicht emanzipiert genug, hart zu verhandeln und höhere Preise durchzusetzen.“
"Rechnungen schreiben fällt den Frauen schwer“
Katja von der Bey hört solche Aussagen oft. Zu oft. Als Vorstand des Berliner Gründerinnenzentrums „Weiberwirtschaft“ versucht sie seit Jahren, gegen die „falsche Sozialisierung der Frauen“ anzukämpfen. Eine Aufgabe, die sie als „sehr schwierig“ bezeichnet. Noch immer würden sich Frauen schlechter verkaufen, seien viel kritischer bei der Bewertung ihrer eigenen Leistung und fragten sich immerzu, was sie wert seien. Ihre Erfahrung: „Rechnungen schreiben fällt den Frauen schwer.“ Da sei es kein Wunder, dass sie weniger verdienen als Männer. 15 bis 20 Prozent betrage der Unterschied, schätzt Heide Meyer. Dass dies das Resultat niedrigerer Umsätze ist, will die Inhaberin des Dessousgeschäftes Lady M und Vorsitzende des VdU-Landes- verbandes Berlin-Brandenburg jedoch nicht gelten lassen. Viele Unternehmerinnen, sie selbst eingeschlossen, erwirtschafteten ordentliche Beträge, so die Unternehmerin.
Das Gros der Chefinnen lasse das Geld aber lieber in der Firma. So wie Gabi Grützner. Demnächst wird die Geschäftsführerin der Micro Resist Technology GmbH sogar mehrere Millionen Euro ins Unternehmen investieren. Solche Ausgaben sieht Grützner als sinnvoll, ja notwendig an. Schließlich müsse ein Unternehmen investieren, um sich am Markt behaupten zu können. Und dazu gehöre in ihrem Betrieb vor allem, die Labore mit moderner Technik auszustatten und den Forschern gute Gehälter zu zahlen. „Ich verdiene kaum mehr als meine wissenschaftlichen Mitarbeiter“, sagt sie. Schließlich wolle sie sich nicht von ihren Mitarbeitern abheben. Vor allem aber sei die Zurückhaltung bei der eigenen Belohnung eine Sache der Vorsicht. „Ich kann doch nicht alles Geld ausgeben, nur weil es mal ein paar Jahre lang brummt“, so die Firmeninhaberin.
Mit wenig zufrieden sein – es scheint so, als sei das ein Charakterzug von Frauen.
Dass Grützner mit diesen Ansichten in der Männerwelt auf wenig Verständnis stößt, macht ihr nichts aus. „Immer wieder halten mir Kollegen Zeitungen unter die Nase, in denen Geschäftsführer-Gehälter aufgelistet sind.“ Die diplomierte Chemikerin aber kommentiert diese Aktionen lediglich mit einem Kopfschütteln. Auch der Hinweis eines Bankers, die Stühle im Besprechungsraum seien nicht repräsentativ genug, ging der Chefin zum einen Ohr hinein und zum anderen wieder hinaus. „Die 40-Euro-Stühle sind vollkommen in Ordnung, ich brauche keine Noblesse.“ Was Grützner mit Noblesse umschreibt, könnte man auch Statussymbole nennen. Und diese haben für viele selbstständige Frauen nicht annähernd die Bedeutung wie für Männer. Selbst wenn die Umsätze es erlauben, einen schicken Firmenwagen zu fahren oder das Büro mit Marmor auszukleiden – die wenigsten Unternehmerinnen gönnen sich diesen Luxus. Zwar gäbe es die ein oder andere Frau, die BMW fahre, sagt Heide Meyer. In der Regel sei es aber so: „Die Männer fahren Mercedes und die Frauen Mini“. Oder Fahrrad. „Weil Frauen denken, das ist gesund.“
Mit dem Fahrrad fährt Merit Schambach zwar nicht. Protzig ist ihr Renault Kangoo allerdings auch nicht. „Bei mir kommt die Funktion immer vor der Form“, sagt die Inhaberin des Senfsalons in Kreuzberg. „Ich habe auch kein Problem mit Second Hand.“ Einen großen Teil der Ladeneinrichtung habe sie bei Ebay ersteigert und die Tische, auf denen die Senf- gläser zum Versand fertig gemacht werden, hat sie „irgendwo aufgegriffen“. Bedauernswert findet Schambach das nicht, vielmehr gefällt ihr der „besondere Touch“. Und knapsen müsse sie auch nicht. „Ich bin zufrieden“, bilanziert die Unternehmerin.
Mit wenig zufrieden sein – es scheint so, als sei das ein Charakterzug von Frauen. Denn auch bei den Kreditgesprächen, wenn es darum geht, das Startkapital für die Gründung zu bekommen, verlangen sie oft weniger als Männer, wie Silvia Mitschke, Abteilungsdirektorin bei der Landesbank Berlin und Mitarbeiterin im Kompetenzcenter Gründungen bei der Berliner Sparkasse, beobachtet hat. „Frauen verlangen meist Darlehensbeträge zwischen 20 000 und 50 000 Euro“, sagt sie. Für die meisten männlichen Existenzgründer seien 50 000 Euro dagegen die Untergrenze. Dass Frauen freiwillig geringere Darlehenssummen verlangen, ist für den Existenzgründungsexperten beim DIHK, Marc Evers, allerdings ein Ammenmärchen. Fakt sei doch vielmehr, dass sich die Banken gegenüber Frauen zurückhaltender zeigten. In einer aktuellen DIHK-Umfrage vertreten denn auch 58 Prozent der Gründerinnen die Ansicht, für sie sei die Kreditaufnahme „schwieriger“ als für Männer. Evers kennt die Gründe: „Frauen haben – unter anderem, weil sie die Kinder erziehen – weniger Zeit, Eigenkapital anzusparen, Geschäftskontakte zu knüpfen und sich unternehmerisches Know-How anzueignen“, so Evers. „In den Verhandlungen haben die Frauen dann das Gefühl, den Männern nicht auf Augenhöhe begegnen zu können.“
Regina Seidel kennt das Gefühl, sich „klein zu machen“. Auch sie hat „beim Darlehen nur das Nötigste“ verlangt. „Typisch Frau“, sagt die Chefin der Firma Seidel Consultant. Doch die 58-Jährige ist seit 35 Jahren im Geschäft, lange genug, um gelernt zu haben. Mittlerweile fährt Seidel Jaguar und residiert in einem „repräsentativen Büro“. Auch Stephanie Bschorr sieht es nach acht Jahren als Gesellschafterin der HTG Wirtschaftsprüfung GmbH nicht mehr ein, zurückzustecken. Selbst wenn sie derzeit „nur“ 30 bis 40 Stunden pro Woche arbeitet, um Zeit für ihre beiden Kinder zu haben, nimmt sie keinen Abschlag beim Gehalt vor, wie es viele Unternehmerinnen machen. Das Selbstbewusstsein, gut zu verdienen und E-Klasse zu fahren, sollten eigentlich alle Frauen haben, findet Bschorr. Allerdings weiß sie, wie schwer sich Frau damit tut: „Ich musste es auch erst lernen.“
Sabine Hölper
| Adressen |
Core Business Development GmbH
Geschäftsführende Direktorin: Brigitte Stiehler-Lorenz
Adresse: Mahlsdorfer Str. 39/40,
12555 Berlin
Mitarbeiter: 6
Telefon: 030 / 65 48 49 10
Web: www.cbd-berlin.de
HTG Wirtschaftsprüfung GmbH
Geschäftsführer: Stephanie Bschorr,
Klaus-Peter Steinacker, Valentin Schmid,
Dirk Klingbeil Adresse: Neue Grünstraße 25,
10179 Berlin
Mitarbeiter: 55
Telefon: 030 / 885 77 90
Web: www.htg-berlin.de
Lady M
Inhaberin: Heide Meyer
Adresse: Westfälische Str. 43,
10711 Berlin
Mitarbeiter: 5
Telefon: 030 / 892 39 34
Web: www.ladym-dessous.de
Massschuhmacherei Kirstin Hennemann
Inhaberin: Kirstin Hennemann
Adresse: Sophienstraße 28/29,
10178 Berlin
Mitarbeiter: 3 (Auszubildende)
Telefon: 030 / 40 04 28 61
Web: www.massschuhmacherei.de
Micro Resist Technology GmbH
Geschäftsführerin: Gabi Grützner
Adresse: Köpenicker Str. 325,
12555 Berlin
Mitarbeiter: 41
Telefon: 030 / 65 76 21 92
Web: www.microresist.de
Seidel Consulting
Geschäftsführerin: Regina Seidel
Adresse: Bornstedter Straße 3,
10711 Berlin
Mitarbeiter: 5
Telefon: 030 / 891 94 74
Web: www.seidelconsulting.de Senfsalon Inhaberin: Merit Schambach Adresse: Hagelberger Str. 46, 10965 Berlin Mitarbeiter: 3 Telefon: 030 / 78 89 11 01 Web: www.senfsalon.de
Geschäftsführende Direktorin: Brigitte Stiehler-Lorenz
Adresse: Mahlsdorfer Str. 39/40,
12555 Berlin
Mitarbeiter: 6
Telefon: 030 / 65 48 49 10
Web: www.cbd-berlin.de
HTG Wirtschaftsprüfung GmbH
Geschäftsführer: Stephanie Bschorr,
Klaus-Peter Steinacker, Valentin Schmid,
Dirk Klingbeil Adresse: Neue Grünstraße 25,
10179 Berlin
Mitarbeiter: 55
Telefon: 030 / 885 77 90
Web: www.htg-berlin.de
Lady M
Inhaberin: Heide Meyer
Adresse: Westfälische Str. 43,
10711 Berlin
Mitarbeiter: 5
Telefon: 030 / 892 39 34
Web: www.ladym-dessous.de
Massschuhmacherei Kirstin Hennemann
Inhaberin: Kirstin Hennemann
Adresse: Sophienstraße 28/29,
10178 Berlin
Mitarbeiter: 3 (Auszubildende)
Telefon: 030 / 40 04 28 61
Web: www.massschuhmacherei.de
Micro Resist Technology GmbH
Geschäftsführerin: Gabi Grützner
Adresse: Köpenicker Str. 325,
12555 Berlin
Mitarbeiter: 41
Telefon: 030 / 65 76 21 92
Web: www.microresist.de
Seidel Consulting
Geschäftsführerin: Regina Seidel
Adresse: Bornstedter Straße 3,
10711 Berlin
Mitarbeiter: 5
Telefon: 030 / 891 94 74
Web: www.seidelconsulting.de Senfsalon Inhaberin: Merit Schambach Adresse: Hagelberger Str. 46, 10965 Berlin Mitarbeiter: 3 Telefon: 030 / 78 89 11 01 Web: www.senfsalon.de
Aus der Ausgabe 4 / 2008
