Von Frau zu Frau
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Grafik: Jessica Mittag |
Das ist jetzt schon die zehnte Frage aus dem Publikum, langsam wird Franziska Eichstätt-Bohlig müde. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Abgeordnetenhaus ist zu Gast beim Zonta Club Berlin-Mitte, einem Zusammenschluss berufstätiger Frauen. Sie hat dort eben einen Vortrag gehalten mit dem Titel „Politik braucht Frauenlist“. Sie hat erzählt, wie die Frauen in ihrer Partei mit dem Gockelgehabe männlicher Kollegen umgehen und wie eine Politikerin an die Macht gelangt, ohne ihre Weiblichkeit zu verleugnen.
Bei ihren Zuhörerinnen hat sie damit einen Nerv getroffen. Jede der zwanzig Frauen möchte anschließend eine Frage stellen oder erzählen, wie sie in ihrem Job den Umgang mit Männern erlebt. Die eine ist genervt, weil ihr Kollege so viel Zeit darauf verwendet, seine Leistung bei den Vorgesetzten ins rechte Licht zu rücken, während sie selbst stillschweigend Überstunden macht. Eine andere fragt in die Runde, warum Frauen einander den Erfolg oft nicht gönnten anstatt sich gegenseitig zu fördern, so, wie die Männer es tun.
Das Fazit des Abends: Die Wirtschaft funktioniert offenbar noch immer weitgehend nach männlichen Spielregeln. Und die Frauen scheinen noch nicht recht zu wissen, welche Rolle sie dabei spielen sollen. Ob sie sich Gesten und Rituale bei den Männern abgucken oder lieber ihre eigenen erfinden wollen. In Frauennetzwerken wie dem Zonta Club tun sie das bereits: Sie tauschen Erfahrungen aus, machen sich gegenseitig Mut — und kommen miteinander ins Geschäft.
Es gibt noch viel zu wenig ranghohe Frauen, die andere Frauen fördern können
Denn darum geht es in Wirtschaftsnetzwerken ja in erster Linie. Wer gute Kontakte hat, kommt leichter an Aufträge, schneller an Informationen und manchmal auch günstiger an Produkte oder Dienstleistungen. An Freundschaftsdienste, sozusagen. „Eine Hand wäscht die andere. Unter Männern ist das selbstverständlich“, sagt Martina Haas, Berliner Rechtsanwältin und Autorin des Buches „Was Männer tun und Frauen wissen sollten“. Weibliche Führungskräfte und Unternehmerinnen hätten hier noch viel nachzuholen: „Privat sind Frauen meistens wunderbar vernetzt. Im Job aber sind sie oft noch viel zu zurückhaltend.“
Wie man das ändern kann? „Frauen brauchen geschützte Räume“, sagt Haas. In Gegenwart von Männern könnten Frauen oft nicht offen reden, aus Angst, sie könnten sich blamieren. Dasselbe hat die Unternehmensberaterin Alexandra Schwarz-Schilling beobachtet: „Wenn ich einen Vortrag halte, und es sind nur vier Männer im Publikum, dann diskutieren die hinterher ausschließlich miteinander. Auch wenn 30 Frauen mit im Raum sitzen.“
Die Folge: „Es gibt noch viel zu wenig ranghohe Frauen, die andere Frauen fördern können“, sagt Haas. Kein Wunder, dass nicht einmal 30 Prozent aller Führungskräfte in Deutschland Frauen sind, die dazu auch noch weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Bei den Unternehmerinnen sieht es zwar etwas besser aus: Schon mehr als 40 Prozent aller Unternehmen werden heute von Frauen gegründet. Doch die meisten davon sind Freiberuflerinnen. Unternehmerinnen mit mehr als fünzig Mitarbeitern sind immer noch klar in der Minderheit.
Inhaberin: A. Schwarz-Schilling
Adresse: Schlesische Straße 29/30,
10997 Berlin
Web: www.coaching-spirale.com
(work/life) coaching & beratung
Inhaberin: Dagmar Terbeznik
Adresse: Wittelsbacherstr. 10 A,
10707 Berlin
Web: www.work-life-coaching.de
Konzept und Innovation
Inhaberin: Martina Haas
Adresse: Konstanzer Str. 56,
10707 Berlin
Web: www.konzept-innovation.de
Darum finden sie auch keine Nachahmerinnen. „Frauen brauchen Vorbilder“, sagt Alexandra Schwarz-Schilling. Gemeinsam mit ihrer Mutter, Marie-Luise Schwarz-Schilling, hat sie ein privates Netzwerk ins Leben gerufen, einen Kreis von Frauen, der sich in losen Abständen trifft. „Diese Samstagnachmittage sind immer unheimlich inspirierend“, sagt die Unternehmerin. Und: „Man trifft Frauen, die man sonst nie kennenlernen würde, weil man sich privat ja doch immer in denselben Kreisen bewegt.“
Vor allem für junge Unternehmerinnen sei es wichtig, Frauen zu treffen, die schon länger selbstständig sind, um sich auszutauschen über Fragen wie: Wie setze ich mich durch im Team? Wie mache ich mich sichtbar? Soll ich meine Weiblichkeit im Job verstecken oder nutzen? Durch den Austausch mit anderen könnten Frauen lernen „ihrs zu machen, nicht immer nur die Männer zu kopieren“.
Dagmar Terbeznik ist das gelungen. Als sie Mitglied im Netzwerk Business Professional Women (BPW) wurde, war sie noch Angestellte in einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. „Ich wollte mich nicht so allein fühlen in dieser männerdominierten Arbeitswelt“, erzählt sie. In dieser Welt habe der Grundsatz gegolten: „Je mehr wir arbeiten, desto toller sind wir.“ Außerdem habe sie die Sprüchekultur der Jungs genervt: „Wenn ich einmal um 18 Uhr gegangen bin, hat immer irgendeiner gesagt: „Ach, du hast dir wohl einen halben Tag freigenommen?“
Es ist gut, zu wissen, dass andere tolle Frauen auch Probleme haben
Die Gespräche mit den anderen Mitgliedern hätten sie gestärkt. „Es ist gut, zu wissen, dass andere tolle Frauen auch Probleme haben. Da kann man sich gegenseitig darin bestärken, den Mund aufzumachen.“
Den Mund aufmachen, das ist eines der erklärten Ziele von BPW. Der bundesweite Verein engagiert sich auch politisch für die Interessen von Frauen. Die Berliner Gruppe hat im Februar am „Equal Pay Day“ teilgenommen. Mit roten Taschen in der Hand haben die Mitglieder singend auf die ungerechte Bezahlung von Frauen aufmerksam gemacht.
Die BPW-Frauen treffen sich einmal im Monat zum Clubabend. Außerdem gibt es regelmäßig Veranstaltungen mit Vorträgen oder Podiumsdiskussionen. Daneben hat der Verein eine Reihe von ehrenamtlichen Arbeitsgemeinschaften, die sich in kleinen Gruppen treffen und Aktionen planen oder Veranstaltungen vorbereiten. „Am besten lernt man die anderen kennen, wenn man sich gemeinsam engagiert“, sagt Dagmar Terbeznik. Sie ist mittlerweile Vorsitzende von BPW Berlin. Und hat sich selbstständig gemacht, als Coach für Persönlichkeitsentwicklung. Alexandra Schwarz-Schilling hat sie dabei beraten. Ein Honorar hat sie nicht dafür verlangt: Die beiden Frauen haben sich über das Mentoring-Programm des BPW kennengelernt.
Auch der Zonta Club Berlin-Mitte trifft sich einmal im Monat im Novotel an der Fischerinsel, isst gemeinsam und hört einen Vortrag. Darüber hinaus bietet Zonta viel Raum für Engagement. Das Netzwerk, das vor 90 Jahren in Amerika gegründet wurde, ist heute weltweit aktiv und unterstützt wohltätige Projekte, vor allem solche, die Frauen fördern.
Es gibt viele Vereine, die neben dem Netzwerkgedanken auch karitative Zwecke verfolgen. Andere machen ein Fachgebiet zum Inhalt ihrer Treffen oder gründen eine Einkaufsstraßengemeinschaft.
Welchem Zweck die Sache auch dient: Wer richtig netzwerken will, sollte sich auch für die Netzwerkziele engagieren, nicht nur für die eigene Karriere, sagt Expertin Martina Haas. „Man muss erst mal etwas hineingeben, bevor man sich einen Anspruch erwirbt.“
Dazu gehörten nicht nur die regelmäßige Teilnahme sondern auch kleine Aufmerksamkeiten: „Zum Geburtstag gratulieren oder einen interessanten Artikel weiterleiten – das kostet doch per E-Mail heute nur noch ein paar Sekunden und überhaupt kein Geld mehr.“
Andersherum müsse man aber auch aufpassen, dass man nicht ausgenutzt werde und seine Dienstleistung umsonst an lauter vermeintlich gute neue Freundinnen verschenke. „Ein Netzwerk ist keine Feuerwehr“, sagt Haas.
Die Rechtsanwältin rät Frauen, sich unbedingt auch in gemischten Netzwerken zu tummeln: „Im Augenblick haben die Jungs noch überwiegend die Jobs und die Aufträge zu vergeben.“
Mehr Adressen zu Frauennetzwerke finden Sie unter: www.berlin-maximal.de/magazin/unternehmerinnen/art103,778
Miriam Schröder
Buchtipp: Martina Haas: Was Männer tun und Frauen wissen müssen. Merus Verlag, 19,90 Euro
Aus der Ausgabe 3 / 2009
