Pro & Contra
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„Eine Quote könnte das gesellschaftliche Bewusstsein verändern“
In Deutschland gibt es zahlreiche gut ausgebildete und professionell hervorragende Frauen. Und es gibt – wie Studien zeigen – qualifizierte junge Frauen, die sich sowohl Führungspositionen als auch die Verbindung von Beruf und Familie zutrauen.
Die mangelnde Bereitschaft in der Wirtschaft, leitende Positionen mit Frauen zu besetzen, zeigt sich schon daran, dass nur zwei Prozent der Vorstandspositionen mit Frauen besetzt sind. Das lässt sich auch nicht mehr mit mangelndem qualifiziertem Angebot begründen. Dass es anders geht, zeigt sich inzwischen in der Politik. Hier haben die verschiedenen Quotierungsregeln zu einer deutlichen Verbesserung geführt, die im Übrigen auch der Qualität ganz gut bekommen ist. Ich war früher eher gegen Quotenregelungen. Eigene Erfahrungen und diejenigen anderer Frauen haben mich inzwischen aber zum Umdenken gebracht. Ich bin heute der Ansicht, dass wir auch in der Wirtschaft eine Frauenquote brauchen, und zwar nicht nur in den Aufsichtsräten. Über die genaue Prozentzahl muss man diskutieren. Norwegen kennt eine gesetzliche Regelung mit 40 Prozent. Auch braucht es einen Zeitkorridor – etwa zehn Jahre – zur Umsetzung, unter Umständen auch in Schritten.
Das alles muss und kann man diskutieren. Nicht mehr für diskutabel halte ich aber die Frauenquote als solche. Für nicht mehr diskutabel halte ich auch die Forderung nach gleicher Bezahlung. Oder das Aus für die „Angewohnheit“, dass Frauen überhaupt nicht in Betracht gezogen werden und wenn, dann oft nur bei besserer Qualifikation. Oder dass Frauen nicht mehr solchen Fragen ausgesetzt werden wie: „Wie wollen Sie Familie und diese Position miteinander in Einklang bringen?“ Nie würde das ein Mann gefragt werden.
Natürlich reicht Quote allein nicht aus. Die Rahmenbedingungen müssen sich verändern. Das fängt an bei der Frage nach der Ganztagsbetreuung in Kita und Schule und geht hin bis zu gesellschaftlichen Akzeptanz dafür, dass nicht immer nur die Mütter – Stichwort „Rabenmutter“ – sondern auch die Väter die Verantwortung für Erziehung und Betreuung der Kinder übernehmen.
Aber eine Frauenquote wird helfen, das gesellschaftliche Bewusstsein zu verändern und dann darüber auch die politische Bereitschaft, nun endlich wirklich die passenden Rahmenbedingungen zu schaffen.
Vera Gäde-Butzlaff: Chefin der BSR
„Die Quotenregelung ist doch eher ein Instrument der 80er Jahre“
Die Förderung von Frauen in Führungspositionen im Sinne der Gleichstellung von Frauen und Männern in der Privatwirtschaft ist generell zu befürworten. Doch stellt sich im Fall der Verteilung von Aufsichtsratmandaten durch eine gesetzliche Quotenregelung die Frage, ob der Gleichstellung damit Genüge getan ist. Sind die Gründe für die Minderheit von Frauen in Aufsichtsräten nicht viel tiefer gehend?
Betrachten wir das Instrument der Quotenregelung, so erscheint es doch eher als ein Mittel der Achtzigerjahre, in der die Politik sich, angetrieben durch die Frauenbewegung, zu Recht selbst reguliert hat. Diese Regulierung haben wir sicherlich zu jener Zeit gebraucht. Ein Aufsichtsratsmandat aber benötigt mehr als eine Quote, denn es geht hier um die Kontrolle von Vorständen und deren Unternehmensführung. Diese benötigt wirtschaftlichen Sachverstand und nachhaltige Managementkompetenzen und sollte nicht nach dem Motto “... nach der Liste sind Sie jetzt an der Reihe“ vergeben werden.
Hinzu kommt, dass zusätzliche Regelungen und administrative Anforderungen die Unternehmen in ihrer Flexibilität und Wettbewerbsfähigkeit einschränken können. Diversity-Management sorgt schon heute in Konzernen für Regeln. Und die zukünftige Suche nach den Top-Talenten wird auch vor den Frauen nicht halt machen.
Vielmehr sollten wir die generellen Rahmenbedingungen für Frauen in ihren Berufen und der Wirtschaft allgemein betrachten. Flexible Arbeitszeiten, ein familienfreundliches beziehungsweise ein frauenfreundliches Betriebsumfeld, die Förderung von Frauen als Nachfolgekandidaten für Führungspositionen und eine angemessene Möglichkeit der Kinderbetreuung durch den Staat sind die Basis für ein Mehr an Frauen im Management und damit auch in Aufsichtsräten.
Mit einem Blick auf die Wirtschaftsjunioren in Berlin, aber auch in Deutschland, darf man behaupten, dass sich die „Quote“ überholt hat. In den vergangenen zwei Jahren 2007 und 2008 waren Frauen die Bundesvorsitzenden von knapp 10 000 Unternehmern und Führungskräften in ganz Deutschland. Und auch in Berlin haben wir ein ausgeglichenes Verhältnis in unserer Führungsstruktur. Denn es bleibt dabei: Am Ende zählt Qualifikation, und was gut ist, setzt sich durch!
Claudia Keller: Vorstandsmitglied der Wirtschaftsjunioren Berlin
Aus der Ausgabe 6 / 2009

