Großes Theater
Ein Märchen geht zu Ende
Ein Blockhaus auf dem Dach eines alten Bunkers im Monbijou-Park erregt die Gemüter. Im Winter wurden dort Märchen aufgeführt. Jetzt der amtliche Bescheid: Das kleine Theater soll geräumt werden.
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Christian Schulz |
ich bin Geschäftsführer der Hexenkessel und Strand GmbH. Im November des vergangenen Jahres haben wir im Monbijou-Park auf dem Dach eines alten Bunkers ein Blockhaus aufgebaut. In der Wintersaison haben wir dort Märchen aufgeführt, in kleiner Besetzung für bis zu 150 Zuschauer. Die Stücke wurden sehr gut angenommen, von den Kindern aber auch von Erwachsenen.
Vor knapp drei Wochen habe ich einen Räumungsbescheid bekommen. Begründet wurde der damit, dass für die Märchenhütte keine Baugenehmigung besteht. Gleichzeitig wurde mir gesagt, dass ich zum Winter die Hütte ja wieder aufbauen könne. Das soll einer verstehen. Mich würde das Ganze knapp 30 000 Euro kosten. Dabei könnte die Hütte doch gleich stehen bleiben. Dieses Hin und Her ist nicht nachvollziehbar. Zwar ist das Grundstück als Grünfläche ausgewiesen. Aber dass das Bunkerdach, auf dem die Märchenhütte steht, auch darunter fällt, kann ich nicht verstehen. Wir sind im Umkreis ein Wirtschaftsfaktor der noch dazu das kulturelle Leben bereichert. Das sollte der Bezirk berücksichtigen.
Christian Schulz
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Sehr geehrter Herr Schulz,
ihr Fall steht meiner Ansicht nach in einer Reihe von Entscheidgungen des Stadtplanungsamtes in Mitte, die auf den ersten Blick eher unglücklich wirken. Sie zuerst die Märchenhütte abreißen zu lassen, um Ihnen dann die Möglichkeit zu eröffnen, sie zur Wintersaison wieder aufzubauen, grenzt an einen Schildbürgerstreich. Allerdings ist Ihnen der Bezirk schon recht weit entgegengekommen. Denn eine Baugenehmigung für die Märchenhütte hatten sie zum Zeitpunkt des Baus nicht. Diese wurde Ihnen erst nachträglich erteilt. Die Genehmigung galt auch nur bis zum Zeitpunkt der Fertigstellung des Parks. Für die Zeit danach müssen schon sehr gute Argumente vorliegen, um das Prinzip, in einer Parkanlage keine festen Bauten zuzulassen, zu durchbrechen.
Das Bezirksamt hat mir gegenüber das Angebot wiederholt, die Märchenhütte in einer reduzierten Form für einen Zeitraum von sechs Monaten zu erlauben. Allerdings bedeutet dies für Sie einen Rückbau hin zu einem Veranstaltungsort, der schnell auf- und schnell wieder abgebaut werden kann. Leichter wäre es für alle Beteiligten, damit bis Frühjahr zu warten und solange die Genehmigung zu verlängern. Andernfalls müssten sie nach dem Abriss sofort wieder mit dem Aufbau beginnen.
Ihr Pierre Gerckens
Aus der Ausgabe 7 / 2008

